Monday, October 23, 2006

Unsere liebste Dönerbude


Schwarma-Bar Entebbe, King George Street, Tel Aviv.

Saturday, October 21, 2006

Daffke

Lieber Claudio,

wahre Größe zeigt, wer auch in der Niederlage postet.
Was zählt ist, dass wir noch immer aus eigener Kraft Deutscher Meister werden können.

Gute Erholung,
eisealuf

Friday, October 20, 2006

Verschnaufpause

Freunde dieses Blogs werden längst registriert haben, dass die Beiträge in letzter Zeit seltener geworden sind. Sorry, folks, aber vor allem der Job fordert seinen Tribut!
Jetzt lässt sich der Chronist erst einmal den Nordseewind um die Nase wehen. Nur eine Woche zwar, aber immerhin. Das ist dringend nötig, um den Akku wieder aufzuladen.

Wenn meine Lieben es zulassen.

Also: Bis Ende des Monats herrscht hier relative Funkstille – es sei denn, Alemannia Aachen punktet, und Eisealuf muss es der Welt verkünden. Bleiben Sie uns trotzdem gewogen!

Ende der Durchsage. *Plopp, fffffff, uarrps*

Lesen!

Die Entscheidung, durchzuhalten

Ein Gastbeitrag von Didymus

Erinnern Sie sich noch an den hessischen Fragekatalog zum Wissens- und Wertekanon der Bundesrepublik Deutschland? Genau: dessen (auf)richtige Beantwortung sollte bei einbürgerungswilligen Ausländern sicherstellen, daß "künftige Mitbürger das Grundgerüst dieser Republik mittragen". Und was sichert nun das Vertrauen in diese Deutschen in spe? U.a. die korrekte Antwort auf die Frage 17: "Erläutern Sie den Begriff 'Existenzrecht' Israels!" Na - wüßten Sie es?

Lassen wir mal beiseite, daß die Hessen das Existenzrecht in Anführungszeichen gesetzt haben (und nicht etwa den gesamten zu erläuternden Begriff, so daß der Eindruck entstehen konnte, es sei nur ein sog., vorläufiges Recht, das Israel da beanspruche), dann dürfte schon so manchem Deutschen der Schweiß auf der Stirn gestanden haben. Das Hamburger Abendblatt ließ seine Leser gottseidank nur 24 Stunden rätseln: "Das Existenzrecht Israels meint, daß die Menschen im Staat Israel in international anerkannten Grenzen frei von Angst, Terror und Gewalt leben können." (HA, 16.3.2006)

Soweit die Kurzfassung - wer es etwas genauer wissen (und damit seine Staatsbürgerschaft für die nächsten Jahre absichern) möchte, dem sei Yaacov Lozowick: Israels Existenzkampf. Eine moralische Verteidigung seiner Kriege (Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2006, 340 Seiten, EUR 19,90) empfohlen.

Der vorsichtige deutsche Titel vermeidet den Anspruch des Archivdirektors von Yad Vashem, dessen englisches Original klar lautet: Right to Exist. A Moral Defense of Israel's Wars (Doubleday, New York 2003). Dennoch ist dem Verlag und einigen Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung zu danken, daß dieses Buch endlich auf Deutsch vorliegt. Nach dem ungewissen Ausgang des jüngsten Libanon-Krieges und angesichts einer breiten Ahnungslosigkeit lohnt es sich, einige Tatsachen gegen den postmodernen Diskurs in Erinnerung zu bringen.

Lozowick räumt auf mit dem Mythos von der Gewaltspirale, an der angeblich alle Seiten des Konflikts gleichermaßen schuld seien. Dabei verleugnet er keineswegs die Fehler und Verbrechen, die Israelis in den vergangenen Jahrzehnten begangen haben. Aber er zeigt auch, daß sich Israelis nicht (wie die entfernten europäischen Beobachter) um schwierige Entscheidungen herumdrücken können: "Israel kann sich nicht darauf festlegen, niemals mehr Krieg zu führen, da sich seine Feinde bereits für Krieg entschieden haben. Israel muss sein Äußerstes versuchen, keine Unschuldigen zu töten, aber das wird niemals vollkommen möglich sein. Kinder zu töten ist entsetzlich. Die Entscheidung, jüdische Kinder nicht zu beschützen mit dem Ziel, keine anderen Kinder zu verletzen, ist unmoralisch." (S. 8f)

Selbstkritisch erklärt Lozowick seinen mühsamen Wandel vom enttäuschten friedensbewegten Gegner zum unvermeidlichen Wähler Sharons, bevor er in elf anschaulichen Kapiteln die Gründung und Geschichte Israels nachzeichnet. Abwägend setzt er sich dabei mit israelischen Post-Zionisten und Gegnern des Zionismus auseinander. Deren nachträglicher Kritik stellt er die konkreten historischen Alternativen entgegen, unter denen Zionisten und Israelis jeweils wählen mußten.

"Die Post-Zionisten kritisieren die Feststellung, dass Israel ein jüdischer Staat sei, sie sähen Israel lieber als 'einen Staat für alle seine Bürger', frei von sämtlichen jüdischen Besonderheiten. Für sie ist es aber völlig unvorstellbar, dass dasselbe auch für den palästinensischen Staat gelten müsste, der ebenfalls ein Staat für alle seine Bürger sein sollte, also auch für Hunderttausende jüdische Siedler." (S. 79) Wäre es - analog zur Forderung der PLO - für diese Kritiker legitim, daß Israel die Möglichkeit der Rückkehr von '800.000 jüdischen Flüchtlingen aus muslimischen Ländern' (S. 136) in die arabische Welt zur Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden macht? Und glaubte irgend jemand in Europa, daß eine solches Ansinnen auf Gegenliebe in den betroffenen Ländern stoßen müßte? Das Gedankenexperiment zeigt, wie unrealistisch die Forderung der Palästinenser auf Rückkehr ihrer Flüchtlinge nach Israel ist und wie bereit ihre europäischen Unterstützer sind, sie darin zu bestärken.

Warum unterzieht sich Lozowick der Mühe, die Politik Israels moralisch zu rechtfertigten? Wem wäre er oder Israel denn Rechenschaft schuldig? Offensichtlich hegen große Teile der Welt (speziell Europas) keine großen Sympathien mehr für die Juden und ihren Staat – wenn sie es denn je getan haben. Die veröffentlichte Meinung (von der anderen ganz zu schweigen) beobachtet schon seit Jahrzehnten den erbarmungslosen Kampf der Palästinenser mit viel mehr Nachsicht, als Israels Verteidigung gegen den Terror sich je erhoffen durfte. Für den europäischen Mainstream wie für die Post-Zionisten bedeutete "das Ende der jüdischen Opferrolle das Ende jüdischer Moral"(S. 81).

Daß dem weder so sein muß noch ist, widerlegt Lozowick an vielen Stellen. Wenn es z.B. Israels Nachbarn gar nicht um einen eigenen Staat für die Palästinenser ging, während Israel den Teilungsplan der UN von 1947 stets respektiert hat, so beweist dies gewiß nicht die moralische Unterlegenheit der israelischen Politik: "Obwohl die arabischen Aggressoren 1948 vorgeblich in den Krieg gezogen waren, um Palästina - und damit auch die Palästinenser - vor dem Zionismus zu retten, schienen sie doch niemals daran gedacht zu haben, den Palästinensern zu einem eigenen Staat (und zwar innerhalb der Gebiete Palästinas, die nicht von Israel kontrolliert wurden) zu verhelfen." (S. 145) Ein weiterer Beleg: "Die erstaunliche Tatsache, dass die Juden sich nicht für die Shoah gerächt haben, fällt anscheinend niemandem auf." (S. 151) Welch schroffer Gegensatz zum palästinensischen Terror, den europäische Beobachter als natürliche Eskalation der Gewalt zu interpretieren neigen. Einen Monat nach dem 11. September 2001 "auf einer Konferenz in Hamburg über den Nationalsozialismus, sagte mir ein Teilnehmer, dass dort, wo Menschen in Furcht leben, auch Hass herrsche. Ich antwortete ihm scharf: 'Meine Kinder wachsen in Angst auf. Und die ist begründet, aber es ist ihnen nicht erlaubt zu hassen.'" (S. 43)

Mit den Mitteln der Vernunft und im Glauben an eine universelle Moral versucht Lozowick europäischen Vorurteilen zu begegnen. So klärt er über den Nutzen des umstrittenen Sicherheitszauns auf (S. 14f), vergleicht die Vertreibung von Juden und Palästinensern (S. 135-140), kritisiert die Invasion des Libanon im Jahre 1982 (S. 199-203) und zeigt sogar Verständnis für die erste Intifada von 1987 (S. 206). In Ablehnung des postzionistischen Determinismus (S. 79) wägt er maßvoll die jeweiligen Möglichkeiten ab. Denn nur wer die Wahl hat, kann moralisch handeln: "Moral hat mit Entscheidungen zu tun." (S. 7)

Im Palästinakonflikt prallen auch zwei Weltanschauungen aufeinander: Hier der demokratische Rechtsstaat, in dem freie Menschen nach einem rationalen Disput schwierige moralische Entscheidungen treffen müssen; dort die religiöse Autorität, der jugendliche Attentäter gnadenlos einen vermeintlichen Willen Gottes exekutieren läßt. Welchen friedensstiftenden Dialog kann es mit einer irrlichternden Fatah geben, deren vermeintliche Friedenswille von Oslo in die selbstmörderische Jerusalem-Intifada mündete (S. 279ff), und mit einer Hamas, die antisemitische Fälschungen wie die "Protokolle der Weisen von Zion" zur Richtschnur ihrer Politik macht (S. 212)? Derlei Irrationalität ist nur mit Ausdauer und Augenmaß beizukommen.

So bleibt Lozowicks Ausblick von 2003 auf die Zukunft eher düster, wenn auch realistisch: "Zehn Jahre nach dem Osloer Abkommen und zweieinhalb Jahre nach der gewaltsamen Sabotage der Verhandlungen durch die Palästinenser hat die [israelische] Wählerschaft ihr Urteil gefällt: Eretz Israel wird zwischen Juden und Palästinensern geteilt werden, in zwei souveräne Staaten. Das wird geschehen, wenn die Palästinenser bereit sind, die Bedingungen für einen Friedensschluss zu akzeptieren. Bis dahin werden die Israelis dem Terrorismus mit großer Härte begegnen, sodass die Palästinenser den bewaffneten Kampf verlieren müssen. Da es wahrscheinlich noch lange dauert, bis die Palästinenser endgültig das Existenzrecht des Staates Israel anerkennen, ist es wichtig, dass die israelische Gesellschaft trotzdem weiter vom Mainstream bestimmt bleibt und dass die Extremisten - rechte, linke, haredi [Ultra-Orthodoxe], Siedler - unter Kontrolle gehalten werden und nicht an Einfluss gewinnen." (S. 322)

Das Buch von Lozowick sei dem deutschen Leser an Herz und Hirn gelegt, denn noch immer gilt, was der irische Publizist Conor Cruise O'Brien schon 1991 schrieb (Belagerungszustand, S. 9f): "Die Gründe für die Entstehung des Staates Israel liegen in Europa, er ist ein Produkt europäischer Zurückweisung. Wir Europäer scheinen diese Grundtatsache manchmal zu vergessen, wenn wir den Israelis Vorträge darüber halten, wie sie sich verhalten sollen in dieser feindlichen Region, wo sie vor einem noch feindlicheren Europa Zuflucht gesucht haben. In Europa drohte ihnen der Genozid, und sollte ihre Widerstandskraft jemals nachlassen, so droht er ihnen auch im Nahen Osten."

Sunday, October 15, 2006

Mein neues Nummernschild


Dank an PB für das Fotografieren meiner Karre.

Trendsetter

Einmal mehr hat SoE einen Helden vor den anderen entdeckt - über dieses Treffen der Giganten freuen wir uns aber besonders.

Saturday, October 14, 2006

Deutscher Meister wird nur der TSV!


Findet auch unser Blogfreund Daniel in Tel Aviv.

Friday, October 06, 2006

Direkte Nichtanerkennung

Eben im Google-Newsticker gelesen:

"Hamas will Israel auch künftig nicht anerkennen

Gaza - Die radikalislamische Hamas-Regierung will Israel auch künftig nicht anerkennen. "Wir werden Israel nicht anerkennen", rief der palästinensische Regierungschef Ismail Hanija bei einer Kundgebung in Gaza am Freitag dreimal hintereinander. Die Hamas wolle einen unabhängigen Palästinenserstaat in den von Israel besetzten Gebieten und sei dafür auch zu einer langfristigen Waffenruhe mit Israel bereit, nicht aber zur Anerkennung des jüdischen Staates. Die Hamas werde "die Rechtmäßigkeit der Besatzung" niemals anerkennen, sagte Hanija."

Na, also! Und was ist nun mit der "indirekten Anerkennung", welche unsere Medien aus dem sagenumwobenen "Gefangenendokument" von Fatah- und Hamas-Terroristen unbedingt herauslesen wollten? Wie oft muss Haniye denn noch betonen, dass er ganz Israel als besetztes arabisches Land ansieht und ergo den jüdischen Staat niemals anerkennen wird? Sechsmal hintereinander? Zwölfmal?

Zum Glück existiert Israel weiter fröhlich vor sich hin, ob mit oder ohne den Segen Haniyes. Der soll übrigens bei seiner Rede in Gaza einen Schwächeanfall erlitten haben. Zu wenig gegessen im Ramadan? Dafür steht er eigentlich zu gut im Futter. Oder hat er wieder mal nur Waffen statt Lebensmittel eingekauft?

Mysterien Palästinas.

„Gewalt muss man benutzen!“

Unser Lieblingsprofessor heißt Dr. Dan Schueftan. Er ist stellv. Direktor des National Security Studies Center an der Universität Haifa, lehrt dort und an der Militärhochschule in Haifa und ist seit drei Jahrzehnten Berater der israelischen Regierung, aber auch von Regierungen der USA und Europas. Seine Veröffentlichungen behandeln vorwiegend zeitgenössische Nahost-Geschichte, den arabisch-israelischen Konflikt, innerarabische Politik und die US-Nahostpolitik. Nächste Publikation: eine Studie über die Lage der arabischen Bürger Israels.

Zurzeit ist unser Lieblingsprofessor auf Deutschland-Tournee und sagt, was man lieber nicht hören will. Und als fleischgewordener Albtraum aller Gutmenschen haut er auf den Putz, dass es nur so eine Art hat. Er ist arrogant, „selbst für israelische Verhältnisse“. Er ist für die Aufgabe eines Großteils der besetzten Gebiete und für einen Palästinenserstaat – nicht weil die Palästinenser ihn verdient hätten, sondern um sie loszuwerden. Er erinnert die Europäer daran, dass Israel nun mal in einer „ekelhaften Region“ lebt. Und er macht aus seiner Verachtung für Europas Appeasement-Politik keinen Hehl: „Whenever you don't know what to do: Ask the Europeans. Then do the opposite." Dass er mit seinem unbequemen Ansichten aneckt, stört ihn nicht – weil er Recht hat. Wenn Dan Schueftan redet, möchte man am liebsten jeden Satz mitschreiben, so zahlreich sind die Bonmots. [Anmerkung des Blog-Gründers: Genau das habe ich ein Semester lang getan.] Und so wahr ist jedes Wort. Wie gern sähe man ihn als Fuchs im Hühnerstall mit Steinbach, Lüders und ähnlichen Flachschwimmern debattieren.

Hier also meine dringende Empfehlung: Machen Sie sich bei der örtlichen Zweigstelle der Deutsch-Israelischen Gesellschaft oder bei der Konrad-Adenauer-Stiftung schlau, ob Dan Schueftan demnächst auch in Ihrer Stadt auftritt. Und dann: Kommet und höret, was er euch zu sagen hat, es wird euer Schaden nicht sein.

Nachfolgend mein Bericht über die jüngste Performance unseres Lieblingsprofessors.


---schnipp---


So kompetent und pointiert, so locker und sarkastisch kommentiert wohl nur einer den Dauerkonflikt in Nahost: Dan Schueftan nimmt auch im Saal der Jüdischen Gemeinde kein Blatt vor den Mund. Auf die political correctness pfeift er: „Wenn man verstehen will, was in der Welt passiert, darf man nicht politisch korrekt sein.“ Dementsprechend schonungslos analysiert der Referent aus Haifa die gegenwärtige Lage in Israel und den arabischen Ländern, die bis auf weiteres, so der Tenor des Vortrags, nicht zu ändern sein wird.

„Die Palästinenser verschwenden alles, was sie kriegen“

Die ganz schlechte Nachricht überbringt Schueftan gleich zu Beginn: „Der Radikalismus ist in naher Zukunft nicht rauszukriegen.“ Die arabische Welt erlebe, bei aller Größe in der Vergangenheit, seit 200 Jahren nur Misserfolge. Armut, technologische Rückständigkeit und politische Unfreiheit seien hausgemachte Probleme, die Radikalismus produzierten. Und dieser Radikalismus bleibe, unabhängig davon, was Israel tue oder unterließe, ob es Siedlungen räume oder was auch immer. Durch Korruption und Gewalt, so stellt Schueftan fest, sind Milliardenhilfsgelder an die PA (pro Kopf das Sechsfache der Hilfen für die Deutschen nach dem Marshall-Plan!) auf Nimmerwiedersehen verschwunden, Chaos und Anarchie regieren und das einzige Role Model für palästinensische Kinder sei der allseits propagierte Märtyrertod.

Die Araber im allgemeinen und die Palästinenser im besonderen seien jedoch unfähig, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich mit der Realität des 21. Jahrhunderts abzufinden. Statt dessen zögen sie es vor, die Schuld für die Misere bei anderen zu suchen: bei den Juden, den Amerikanern, dem Imperialismus, der Globalisierung. Selbst die arabischen Eliten, so konstatiert Schueftan, arbeiten mit konspirativen Theorien und übelsten antisemitischen Stereotypen wie nur mühsam modifizierten Brunnenvergiftergeschichten, so absurd sie auch sein mögen. So sei leider die Realität. Von einer Welt, in der man, wie im Jemen, zwar nichts zu beißen, aber dafür zwei Kalaschnikows im Hause hätte, Frieden zu erwarten, sei „ein bisschen komisch“.

„Europa ist so miserabel schwach, dass es unverantwortlich ist“

Europa, das gern eine friedensstiftende Rolle in Nahost spielen würde, hat nach Schueftans Ansicht nicht begriffen, dass die Realität im Orient nicht mit den Verhältnissen in der EU vergleichbar ist. Der enorme Erfolg der EU bedeute eben nicht, dass das Modell auch auf andere Regionen übertragbar ist. Immerhin hätten die Europäer seit langem eine gemeinsame (kulturelle) Basis und ähnliche Werte.

Was haben nun die Europäer aus der Geschichte gelernt? Das Falsche, sagt Dan Schueftan. Macht sei eben nicht negativ, sondern man müsse Macht benutzen, „um die Bösen dazu zu kriegen, nichts Böses zu tun, nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil sie es nicht können.“ Schueftan stellt fest, dass Europa die Fähigkeit verloren habe, elementar zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und nach dem Motto „Wir sind doch alle Menschen! Na klar. Albert Schweitzer UND Saddam Hussein" einen Dialog fordere. Der aber sei, was Israel und den Araber betrifft, ein Witz. „Monolog“, meint Schueftan, „bedeutet: einer, der zu sich selbst spricht. Beim Dialog sind es zwei, die zu sich selbst sprechen“. Europäische Bekräftigungen ihres Existenzrechts hätten die Israelis nicht nötig. „Sehr nett, Danke, ich bin auch für das Existenzrecht Deutschlands!“ Und wenn die alte Welt, zu schwach zur Selbstverteidigung, Israel erzählen will, wo es langgeht, dann fragt Schueftan rhetorisch: „Also: Macht der moralische Zeigefinger aus Europa großen Eindruck auf Israel? Nein.“

Was die engen Beziehungen zwischen Israel und den USA betrifft, sitzen die Europäer nach Überzeugung Schueftans einigen Irrtümern auf. Weder sei Unterstützung der USA für den jüdischen Staat das Werk einer sagenumwobenen „jüdischen Lobby“, noch sei diese Unterstützung befristet. Vielmehr handele es sich hier um die zwei einzigen Demokratien, „die eine Wirbelsäule haben“, und generell gebe es in den großen Fragen zwischen beiden Ländern stets zwischen 80 und 90 Prozent Übereinstimmung. Nicht zuletzt schweißt natürlich auch die gemeinsame Bedrohung durch den islamistischen Terror zusammen: „As long as they burn our flags side by side, we are in business“.

„Israel steht heute besser da als je zuvor“

Allen Unkenrufen zum Trotz stellt Dan Schueftan fest, dass die Lage für den Staat Israel zwar besser sein könnte, aber nicht schlecht ist. Während bis vor etwa zehn Jahren die Israelis politisch in drei Lager gespalten gewesen seien („links: Idioten, rechts: Idioten – und Dan Schueftan!“), so seien sie vernünftig geworden. Friedensträumer von links und Groß-Israel-Ideologen von rechts seien marginalisiert, satte zwei Drittel der Bevölkerung stünden in der Mitte. Der Abzug aus Gaza habe das Land gestärkt, der Shekel sich zu einer harten Währung gemausert und die Computertechnologie einen neuen Aufschwung genommen. Nicht zuletzt stellt er fest, dass die Israelis in den letzten fünf, sechs Jahren – also während der „Al-Aqsa-Intifada“ – eine enorme mentale Stärke bewiesen haben. Nicht einmal täglicher Terror hatte Panik oder Abwanderung zur Folge.

Positiv, so Schueftan, sei auch zu vermerken, dass mit einem Teil der arabischen Welt tragfähige Abkommen zu erreichen sind, auch wenn mitunter sehr unversöhnliche Töne (wörtlich: „Gequatsche“) zu vernehmen seien. Er nannte die Beispiele Jordanien, Ägypten, die Golfstaaten, die Maghreb-Staaten und den Libanon – wenn er denn könnte, wie er wollte.

Auch wenn es also keine guten Nachrichten aus Nahost gibt, dürfte sein Fazit für die Freunde Israels zumindest tröstlich sein: Mit der schwierigen Realität (und auch mit der weltweiten Kritik) kann Israel leben. Das Land ist selbstbewusst und für die Herausforderungen gut gerüstet.

Fazit des rundum gelungenen Abends: Wer eine weitere Sonntagsrede über Frieden und Aussöhnung erwartet hatte, dürfte angenehm enttäuscht worden sein. So wurde der Überbringer der schlechten und nicht ganz so schlechten Nachrichten denn auch nicht geköpft, sondern im Gegenteil mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Bald wird Dan Schueftan u.a. nach Bremen und Berlin weiterreisen, „um Menschen wütend zu machen“.

Wat mutt, dat mutt.