Monday, October 29, 2007

(Kollektiv-)Strafe muss sein

…wenn sich ein Kollektiv schuldig gemacht hat. Davon sollten eigentlich gerade die Deutschen, die Hitler seinerzeit so demokratisch an die Regierung wählten wie die Palästinenser ihre Hamas, ein garstig Lied singen können.

Vor einigen Tagen besuchte ich die Ausstellung „More than 1000 words - no win situation in the israeli palestinian conflict“ in der Cicero-Galerie am Hackeschen Markt in Berlin. Unter den Aufnahmen des israelischen Fotografen Ziv Koren zeigte eine besonders schockierende einen zerbombten Linienbus, nur wenige Minuten nach dem Anschlag. Wer die Opfer auf dem Foto sieht, fragt sich unweigerlich, wie eine angemessene Reaktion auf ein solches Massaker aussehen darf. Und die Antwort ist ziemlich klar: eigentlich egal, wie. Fast alles muss erlaubt sein, um Blutbäder wie dieses zu unterbinden.

Im Prinzip stimmen einem da sogar "Israelkritiker" zu. Aber da der Unterschied zwischen einem "Israelkritiker" und einem Tumor meist darin besteht, dass ein Tumor auch gutartig sein kann, folgt in diesem Fall dem "Ja" ein "Aber" stets auf dem Fuße.

Ebnete die israelische Luftwaffe zu Beginn der Terror-Intifada im Herbst 2000 noch zuvor evakuierte Polizeistationen der PA ein, um Arafats "Sicherheitskräfte" zum Vorgehen gegen die Terrormilizen zu zwingen, empörte sich die Welt über "unverhältnismäßige Gewaltanwendung" durch Israel.

Errichtete die IDF Checkpoints, bedeutete dies immer eine "Demütigung" der kontrollierten Palästinenser.

Wurden palästinensische Tagelöhner als unkalkulierbares Risiko für israelische Arbeitnehmer ausgesperrt und durch Rumänen, Thailänder oder Schwarzafrikaner ersetzt, wurde das als "Kollektivstrafe" gegeißelt.

Ging die Armee gezielt gegen Hintermänner und Protagonisten der Selbstmordattentate vor, wurde das auch nicht goutiert. Dann war die Rede von "ungesetzlichen Tötungen".

Schloss die israelische Regierung das Orient House als Reaktion auf ein Massaker in der Cafeteria der Hebräischen Universität, empörte sich die Welt mehr über diese absolut vertretbare politische Maßnahme als über das Blutbad an den Studenten.

Errichtet Israel einen Sperrzaun zu den Palästinensergebieten, um Selbstmordattentäter draußen zu halten, jammert man über eine "Apartheid-Mauer", "fortgesetzten Landraub" (als müsste Israel den Zaun auch noch auf eigenem Gebiet ziehen) und darüber, dass nun angeblich "palästinensische Bauern von ihren Feldern abgeschnitten" sind.

Planiert die Armee Olivenhaine, in denen sich radikalislamische Terroristen verstecken, um Richtung Israel zu feuern, ist es natürlich auch nicht recht.

Jetzt erheben die "Israelkritiker" erwartungsgemäß ihr hässliches Haupt, um die anvisierte temporäre Unterbrechung der Stromversorgung im Gazastreifen als Reaktion auf tägliche Raketenangriffe mit markigen Worten zu verurteilen.

Denn egal, was Israel tut oder unterlässt - für "Israelkritiker" ist es immer falsch. Bisweilen wird dem jüdischen Staat grundsätzlich das Recht zur Selbstverteidigung zugestanden - nur wenn es dieses wahrnimmt, geht das Geschrei los. Wäre gut zu wissen, welche Maßnahmen Israel denn nun ergreifen darf, um seine Bürger zu schützen.

Bitte, Frau Ferrero-Waldner: Sie haben das Wort.

7 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Also ich würde das ja mal so machen:

Pro 'qassam rocket' (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Qassam_rocket)

würde ich den Strom für eine komplette Woche abschalten. Das sollte helfen.

Kleiner Nachtrag: Bitte schaut Euch mal den Eintrag 'Money, Murder, and Mayhem' auf http://muqata.blogspot.com/ an. Passt irgendwie.

Viele Grüsse aus Aachen, Erik!

3:17 PM  
Anonymous Anonymous said...

Schön, dass du jetzt mit Eva Herman einig bist, dass bei den Nazis nicht alles schlecht war: Bei ihr war es die Familienpolitik, bei dir die, ich sag mal, "Strafverfolgung".
Das wird viele nicht-jüdische Überlebende der KZs freuen. Ach was heißt "nicht-jüdische" - das war doch eigentlich die ultimative Kollektivstrafe.
Aber bastel dir nur weiter deine Welt, wie sie dir gefällt...

4:40 PM  
Anonymous Mia said...

Wie es Henryk M. Broder mal erwähnte:

Die angemessene Reaktion von Israel wäre wohl ein Sitzstreik - diesmal entlang der Grenze zu Gaza ...

8:15 PM  
Anonymous Anonymous said...

Wenn die Dame ehrlich antworten müsste, würde da wahrscheinlich so was stehen ..."sich still schweigend abschlachten lassen. Und als Lohn dafür bekommen die Juden dann hinterher eine Gedenkstätte XXXL, gegen die das Teil in Berlin echt popelig wirkt"

Da können dann alle antizionistischen aber keineswegs judenhassenden Gutmenschen weinen, bis der Teppich fault

11:08 PM  
Blogger Claudio Casula said...

@ anonymous 2. von oben:

Glückwunsch! Mit diesem Statement hast du dir den Hertha-Däubler-Gmelin-Preis für den unpassendsten Nazi-Vergleich des Monats verdient. Eine Viertelstunde unterbrochener Stromversorgung als Reaktion auf täglichen Raketenbeschuss von Schulen und Kindergärten mit den Zuständen in einem KZ auf eine Stufe zu stellen, ist eine intellektuelle Leistung, die unbedingt gewürdigt werden muss.

Du darfst deine Dankesrede auch dazu nutzen, das Wort von der "Kollektivstrafe" im Zusammenhang mit der Shoah zu präzisieren. Hatten irgendwelche Juden zuvor Selbstmordbomber nach Berlin und München geschickt? Das wären sensationelle Erkenntnisse – und die Geschichte des Dritten Reiches müsste in weiten Teilen neu geschrieben werden.

11:13 AM  
Anonymous Anonymous said...

"Die ständigen Anstrengungen der letzten Wochen verursachen mir Blähungen im Darmbereich, und Eva sagt ich habe Mundgeruch."

11:18 AM  
Anonymous Anonymous said...

@Claudio:
Die Hinbiegung fremder Texte zur eigenen Argumentation ist ja deine Lieblingswaffe, aber dennoch sei klar gestellt, dass der Nazivergleich ausschließlich deine Wortwahl (Kollektivstrafe) und Argumentation betraf und nicht das Vorgehen der Israelis im Gazastreifen. Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, kann man dskutieren, über die ständigen Verbalentgleisungen nicht.
Dass KZs eine Art von Sippenhaft oder Kollektivstrafe waren ist vielleicht wirklich etwas weit her geholt, obwohl es zumindest für die Angehörigen von politisch und religiös Verfolgten wohl stimmt (ich lasse mich gern eines Besseren belehren). Ich musste jedenfalls bei Kollektivstrafe gleich daran denken. Und nochmal ausdrücklich: Ich habe nicht gesagt, dass Israel faschistisch sei - das ist völlig absurd, wird aber gern kritischen Stimmen in den Mund gelegt (siehe meinen ersten Satz).

12:23 PM  

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