Wednesday, September 05, 2007

Asking for the Moon

Ein an einen Science-fiction-Plot gemahnender Plan erregt derzeit die Gemüter in der muslimischen Welt: Aus Protest gegen die permanenten Demütigungen und Beleidigungen durch die „ungläubigen Hunde“ (so der als gemäßigt geltende Imam Mohammed al-Jihad) prüft die Arabische Liga, ob die Gemeinschaft der islamischen Gläubigen bis auf weiteres auf den Mond umziehen kann. Das logistisch extrem aufwändige, aber nach Expertenmeinung technisch keineswegs unmögliche Unternehmen hat eine lautstarke Debatte zwischen Kritikern und Fürsprechern ausgelöst.

Alles begann mit einer herzhaften Freitagspredigt in Gaza, die im palästinensischen Fernsehen ausgestrahlt wurde: „Warum“, so fragte Mohammed al-Jihad, „sollten wir uns mit einem Halbmond zufrieden geben? Wir wollen den ganzen Trabanten!“ Auch der Prophet selbst, so al-Jihad, habe schließlich zeitweilig auf der Flucht gelebt, bevor er den Siegeszug des einzig wahren Glaubens eingeläutet habe. Die Vorteile einer Ansiedlung auf dem Mond lägen auf der Hand. Als Hauptgrund nannte der Geistliche den Umstand, dass der Trabant "absolut judenrein“ sei. Auch würden gläubige Muslime nicht durch die gottlose und verkommene Lebensart des Westens beleidigt, der unerträgliche Anblick etwa von Bikini-Mädchen gehöre dann der Vergangenheit an.

„Was ändert sich denn für uns?"“, fragte al-Jihad rhetorisch. „Tausende Kilometer entfernt von der Zivilisation und feindliche Lebensbedingungen, das kennen wir auch von zu Hause. Der Regolith, oder Mondstaub, ist doch eigentlich nichts anderes als eine Sandschicht, Wasser gibt es keines, und tagsüber ist es sehr heiß, nachts dagegen empfindlich kühl.“ Pilgerreisen, so räumte der Geistliche ein, würden zwar wegen der etwa 384.400 Kilometer betragenden mittleren Entfernung von der Erde erschwert, andererseits entfalle dafür die traditionelle Stampede rund um die Ka’aba, die gewöhnlich Opfer in dreistelliger Höhe zu fordern pflegt. Endlich werde man ungestört seinen Glauben ausüben und Fatwa und Mullah ehren können. „Deshalb hört, o ihr Gläubigen“, so al-Jihad in seiner wegweisenden Predigt, „wir verkaufen unserer Umma ihr klein’ Häuschen und verlassen diese Vorhölle!“

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos will gegen Cash und unbegrenzten Zugriff auf alle Rohölreserven die notwendige logistische Unterstützung leisten. „1,3 Milliarden Muslime auf den Erdtrabanten zu bringen, das geht nicht von heute auf morgen“, räumt der russische Berater des Projekts, Prof. Boris Kalaschnikov, ein. „Für eine 12-köpfige Durchschnittsfamilie sind allein zwei Flüge notwendig.“ Andererseits rechne er damit, dass viele wohlhabende Muslime, vorzugsweise in Europa und Amerika, aber auch in Saudi-Arabien und den Golfstaaten, sich dem Exodus nicht anschließen werden.

Der Wissenschaftler besteht darauf, dass „Leben auf dem Mond möglich“ ist. Die Bedingungen seien nur auf den ersten Blick hart. Dabei hätte die Notwendigkeit, in der neuen Heimat einen Raumanzug zu tragen, den Vorteil, dass sich die leidige Frage „Was ziehe ich heute an?“ von selbst erledigt. „Und: Es ist ein akzeptabler Kompromiss für Frauen, die die Burkha ablehnen.“ Darüber hinaus mache Astronautennahrung aus der Tube Besteck komplett überflüssig, so dass sich Sunniten und Shiiten, Moderate und Fundamentalisten, Perser und Araber, Hamas- und Fatah-Aktivisten mangels Messern nicht mehr gegenseitig erstechen könnten. Auch „Ehrenmorde“ würden so erschwert.

Der Umzugsplan findet auch im Westen viele Fürsprecher, so in den USA, in Israel und in Köln-Ehrenfeld. „In jedem Jahr entfernt sich der Mond um etwa 3,8 cm von der Erde“, freut sich der Journalist Ulf Udokotte. Dies bedeute, dass sich „der allgemeine Gefahrenraum sukzessive in die Milchstraße verlagert“.

Allerdings gibt es unter den Anhängern des Plans unterschiedliche Ansichten, welcher Natur das neue Gemeinwesen sein solle. „Es steht jedem frei, sich für eine Form des Islam zu entscheiden, ob er die strenge Auslegung bevorzugt oder die fundamentalistische“, meinte jüngst ein iranischer Mullah gönnerhaft. „Da sind wir tolerant“.

Kritiker monieren, dass der Mond mit einem Durchmesser von 3476 km deutlich kleiner ist als der „Planet der Ungläubigen“, was eine weitere Beleidigung für die Anhänger des Propheten darstelle. Außerdem streiten sich Shiiten und Sunniten bereits darüber, wer auf der erdabgewandten Seite leben soll. Dies macht es naturgemäß unmöglich, in Richtung Mekka zu beten.

Für böses Blut sorgten Ankündigungen der US-Raumfahrtbehörde NASA, bereits 2014 die bemannten Mondflüge wieder aufzunehmen. „Gegen diese von langer Hand geplante Invasion werden sich die Muslime auflehnen“, sieht Michael Lüders, aussichtsreichster Kandidat für die Leitung des Hamburger Orient-Instituts, bereits einen neuen "Clash of Civilisations“ heraufziehen. „Dann haben die Amerikaner endlich ihren ,Krieg der Sterne’, den sie sich so sehnlich herbeiwünschen“. Überhaupt stemmt sich Lüders vehement gegen das Unternehmen, weil die Palästinenser damit auf unabsehbare Zeit „ihren berechtigten Anspruch auf Jerusalem“ aufgeben müssten.

Aber noch ist nicht Allah Tage Abend, die Auseinandersetzung noch nicht entschieden. Zwar bemerkte ein syrischer Oppositioneller kurz vor seiner Hinrichtung sarkastisch, er sei schon deshalb für den Umzugsplan, „weil es bei uns schließlich genügend Lunatics gibt“, doch kam es in Ramallah und Jenin zu Unruhen, als bekannt wurde, dass die Arabische Liga die Palästinenser ausgerechnet im „Meer der Ruhe“ anzusiedeln plant. „Vollkommen inakzeptabel“, wetterte Hassan Shawarma aus Hebron, ein Intifada-Aktivist der ersten Stunde. „Wir lassen uns unsere Würde nicht nehmen, auch nicht von unseren Brüdern!“

Dass der mögliche Umzug der Umma auf den Mond Konfliktpotenzial birgt, zeigt nicht zuletzt ein Zwischenfall, der sich vor einer Woche ereignete. Ein muslimisches Vorauskommando, das sich für mehrere Millionen Dollar von der NASA auf den Erdtrabanten bringen ließ, um die Gegebenheiten vor Ort zu prüfen, stieß kurz nach der Landung auf die US-Flagge, die Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin im Juli 1969 gehisst hatten, bespuckte und zerriss sie, lautstark „Tod Amerika“ fluchend.

Dennoch begrüßte die Regierung in Jerusalem den ambitionierten Plan, die Muslime auf dem Mond anzusiedeln, ausdrücklich. „Ein großer Schritt für die Muslime“, lobte Außenamtssprecher Mark Regev. „Aber ein noch größerer für die Menschheit.“

3 Comments:

Blogger Johannes said...

Super! Wunderbarer Text! Danke!

10:42 AM  
Blogger Sven said...

Super Idee! Und hier dann der dazu passende Soundtrack:

http://www.rathergood.com/moon_song/

6:19 AM  
Anonymous Anonymous said...

erste bilder von der unabhängigkeitsfeier gibt es auch schon:

http://img410.imageshack.us/img410/9927/mondlandungeu0.jpg

9:40 PM  

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