Thursday, August 31, 2006

Happy Birthday, Hassan!

Hassan Nasrallah vollendet heute sein 46. Lebensjahr. Aber selbst an seinem Ehrentag wagt sich der Hisbollah-Chef nicht an die Erdoberfläche. Sieger sehen anders aus, allein: zum Bunker gibt es weiterhin keine Alternative. Jedenfalls nicht, wenn er nächstes Jahr noch seinen 47. Geburtstag feiern will.









Mit Dank an FDR für das Bild.

Wednesday, August 30, 2006

Demokratie live

Vor kurzem musste Israels Justizminister Haim Ramon wegen einer „Kuss-Affäre“ seinen Rücktritt einreichen. Laut SPIEGEL online behauptete er zwar, es habe sich lediglich um „ein harmloses Bussi von zwei oder drei Sekunden“ gehandelt und die Initiative sei nicht von ihm ausgegangen, aber das Gericht hielt die Aussage der Klägerin für glaubwürdiger.

Sogar Mosche Kazav ist für die Ermittler nicht tabu: Neulich wurde der Staatspräsident sieben Stunden lang wegen des Verdachts auf sexuelle Belästigung einer Mitarbeiterin von der Polizei gegrillt, und nun drohen ihm Knesseth-Abgeordnete mit einem Absetzungsverfahren.

Zurzeit steht Ministerpräsident Ehud Olmert unter Druck: Ihm werden „schwer wiegende Defizite bei der Einstellungspraxis und umstrittene Immobiliengeschäfte“ vorgeworfen.

Nun ist es nicht unbedingt so, dass solche Affären in Israel häufiger vorkommen als in anderen Demokratien. Aber sie werden eher bekannt. In einem so winzigen Land lässt sich nicht vieles lange verheimlichen. Das Tröstliche an den bekannt gewordenen Fällen ist jedenfalls, dass die israelische Demokratie und ihre Gewaltenteilung nach wie vor bestens funktionieren und auch große Namen die Justiz nicht schrecken. In welchem anderen Land glaubt das Gericht einer 18-jährigen Klägerin mehr als einem Minister?

Friday, August 25, 2006

Innocent until proven guilty…

…sollte eigentlich für alle gelten, aber mit dem sonst eisernen Prinzip hält man sich nicht lange auf, wenn es um Israel geht. "Libanon-Krieg: USA untersuchen Israels Einsatz von Streubomben" titel SPIEGEL online heute und stellt so den Verdacht als Tatsache dar. Im Text ist dann die Rede davon, dass man gerade entsprechenden "Berichten" vulgo: Vorwürfen nachgehe.

Gemach, Kollegen: Wartet doch erstmal ab, was die Untersuchung erbringt. Und berichtet bei der Gelegenheit vielleicht auch mal über die mit Schrapnells gefüllten Geschosse, die die Hisbollah wochenlang nach Nordisrael hineinfeuerte — übrigens ausschließlich auf zivile Ziele. Oder gilt das Kriegsvölkerrecht immer nur für eine Partei?

Bis dahin sollte zumindest vom "angeblichen Einsatz" gesprochen werden. Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils.

Thursday, August 24, 2006

Nomen est omen

In Roberto Benignis Film „Das Leben ist schön“ ruft in einer Szene ein italienischer Faschist seine beiden Söhne herbei: „Adolfo! Benito! Kommt her!“

Im Cicero 5/2004 berichtet Bruno Schirra von einem jungen palästinensischen Hamas-Terroristen, der den Vornamen Hitler im Ausweis stehen hat.

Und der zweite "Kofferbomber", der sich heute im Libanon gestellt hat, hört auf den Namen Jihad.

Da lässt sich doch wirklich sagen: Der Name ist Programm - oder Auftrag und Verhängnis zugleich.

New immigrants for Norway

Open letter to Mr. Jostein Gaarder, written by a friend of mine. Thank you, buddy!


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Dear Mr. Gaarder,

in an article in Aftenposten on August 5th you proposed the expulsion of the Jewish Nation from their homeland, i.e. from kindergardens, schools, universities, enterprises, offices, fields, hospitals.

Well, once 5 million Jews will have been uprooted, where shall they go to?

Norway is a rich country, and with 4.6 million inhabitants on 323,759 square kilometers there is plenty of room for 5 million immigrants. The Jews will easily agree, because their new Swedish neighbours are not inclined to fire Qassam, Katyusha, Scud, Fajr, Zezal or any other rockets into their houses on a daily basis. So, they can build their settlements without shelters and work and sleep in peace.

Unfortunately, the new Norwegian citizens will have to face your anti-Jewish hatred. But since you have declared that murder is not part of your plan, this sort of hostility is easier to cope with than that of the Palestinians who send out their teenagers with explosive belts.

Mr. Gaarder, we accept your proposal. Please let us know when the first million can arrive.

Monday, August 21, 2006

Jetzt mal ein wenig Medienschelte

Dieter Bohlen hält sich für einen modernen Mozart, Marius-Müller-Westernhagen hält sich für einen Rocker und Sheich Hassan Nasrallah hält sich für einen Sieger. Das ist ihr gutes Recht. Merkwürdig ist nur, dass sie mit ihrem Selbstverständnis nicht allein stehen. So wird der Hisbollah-Führer derzeit in der arabischen Welt als Held gefeiert und genießt „Kult-Status“. Man könnte gewissermaßen sagen: Notorische Loser feiern einen Loser als Gewinner.

In der westlichen Welt sieht man diese Verwechslungskomödie zumeist mit dem gebotenen Abstand, auch wenn im Fall der vermeintlichen Demütigung der israelischen Armee durch die Hisbollah der Wunsch gern der Vater des Gedankens sein darf. Tomas Avenarius schwant in der Süddeutschen Zeitung, dass der vermeintliche Sieger Nasrallah sich nur in seinem Bunker in Siegerpose werfen kann, denn sobald er wieder frische Luft schnuppert, könnte ihn das Schicksal schneller ereilen als man denkt. Es hat schon andere „charismatische Führer“ gegeben, die dank einer Hellfire-Rakete zur rechten Zeit am rechten Ort vorzeitig ins Paradies befördert wurden. Sheich Yassin und sein Nachfolger Rantisi lassen grüßen.

Laut Avenarius „vergleichen ihn die einen mit dem Ägypter Gamal Abd al-Nasser, die anderen mit dem iranischen Revolutionär Khomeini. Manche denken gar an Sultan Saladdin, den Bezwinger der Kreuzfahrer.“ In der Realität muss man vor Ort allerdings mit weit weniger beeindruckenden Gestalten vorlieb nehmen. Würde man die arabischen Massen nach dem Grundsatz „Zeige mir dein Idol und ich sage dir, wer du bist“ beurteilen, ließe sich nur schwerlich um den Schluss herumkommen, dass es um den Zustand der Region nicht eben zum Besten bestellt ist.

Wie in den Nahost-Kommentaren der Süddeutschen Zeitung üblich, wird der Ist-Zustand zunächst recht nüchtern geschildert, um dann bei den Schlussfolgerungen tief ins Klo zu greifen.
Avenarius: „Die Hisbollah steht für die Befreiung der Schebaa-Farmen. Und die Miliz Nasrallahs bezieht ihre Legitimation aus der Tatsache, dass noch immer israelische Soldaten auf libanesischem Territorium stehen.“

Das wirft ja nun schon mal Fragen auf: Wie kann die Hisbollah für die „Befreiung“ der Shebaa-Farmen stehen, wenn das Gebiet nach wie vor von Israel kontrolliert wird? Müsste es nicht heißen, dass die Libanesen ihre Hoffnungen auf „Befreiung“ des 28 qkm großen Gebiets mit seinen 14 Bauernhöfen auf Hisbollah setzen? Und was hat Hisbollah mit den Schebaa-Farmen am Hut, wenn diese doch nicht zu libanesischem Territorium gehören, sondern zu Syrien, weshalb Israel mit Assad über das Fleckchen Erde zu verhandeln hat?

Und dann wüsste man natürlich gern, wie der nachfolgende Satz gemeint ist. Macht sich der Kommentator die Ansicht der Hisbollah zu eigen, dass die Schebaa-Farmen zum Libanon gehören, obwohl die UN festgestellt hat, dass sich Israel im Mai 2000 von jedem Quadratzentimeter libanesischen Bodens zurückgezogen hat? Oder will er dies mit der Behauptung, „dass noch immer israelische Soldaten auf libanesischem Territorium stehen“, bestreiten? Die aktuelle Besetzung des Südlibanon kann nicht gemeint sein, denn dass die IDF seit über sechs Jahren nicht mehr dort präsent war, ist ja unbestritten.

Avenarius erliegt der weit verbreiteten Versuchung, unbewiesene Behauptungen für bare Münze zu nehmen. So heißt es in seinem Kommentar: „Auch wenn viele nicht-schiitische Libanesen Hisbollah jetzt heftig kritisieren nach diesem kostspieligen Krieg: In den Augen der meisten Sunniten, Drusen und Christen heißt der Aggressor Israel.“

Davon abgesehen, dass es mehr als fraglich ist, ob Nicht-Schiiten etwas für Nasrallahs Gotteskrieger“ übrig haben: Die Libanesen kritisieren also Hisbollah, weil die einen Krieg zu verantworten hat, der dem Land Leid und Zerstörung brachte, halten aber dennoch den Zurückschlagenden für den Angreifer? Das muss arabische Logik sein, die sich Mitteleuropäern gewöhnlich verschließt. Aber das ficht Avenarius nicht an:
„Nasrallah wird von ihnen nicht geliebt. Aber er wird respektiert als Kämpfer gegen diesen Feind von außen.“ Mit anderen Worten: Nasrallah bricht einen Krieg von Zaun, aber er kämpft immerhin gegen einen „Feind“, der ohne den von ihm gelieferten casus belli gar keiner wäre. Das soll einer verstehen. Immerhin dem SZ-Mitarbeiter gelingt es:
„Die Logik von der Verteidigung gegen Israel und von der Befreiung besetzter libanesischer Gebiete verschafft Nasrallah Gewicht.“ – und das, obwohl man sich nicht gegen Israel hätte „verteidigen müssen“, wenn man auf Ermordung und Verschleppung von Soldaten und auf den Raketenbeschuss über die internationale Grenze hinweg verzichtet hätte – und obwohl keinerlei libanesisches Gebiet „befreit“ wurde – schon weil keines besetzt ist. Im Gegenteil: Tatsache ist, dass die IDF jetzt den Südlibanon bis auf weiteres kontrolliert, bevor eine internationale Truppe eintrifft. Was die Libanesen freuen dürfte, ist das Einrücken der regulären libanesischen Armee in den durch die israelische Operation von der Hisbollah weitgehend gesäuberten Süden. Das hätte man allerdings auch ohne Krieg haben können.

Den traurigen Schlusspunkt des SZ-Kommentars setzt die traditionelle Empfehlung an, klar, Israel in bester Appeasement-Manier nach Art des Hauses:

„Israel könnte die Dynamik um Nasrallah bremsen, wenn es über die Schebaa-Farmen verhandeln würde. Dann könnte Nasrallah neutralisiert werden als gefährliche pan-islamische Symbolfigur und Bedrohung Israels. Dann würde der neue Held rasch zu dem reduziert, was er sein sollte und sein kann: ein schiitischer Politiker im arabischen Staat Libanon.“

Als wäre die Untauglichkeit des Prinzips „Land für Frieden“ nicht schon seit Jahren hinreichend bewiesen. Als würde Nasrallah, sollte Israel die Schebaa-Farmen an Libanon (!) abtreten, nicht erst recht als Sieger und Befreier gefeiert werden. Als würde ein weiterer Rückzug Israels in der arabischen Welt nicht als weiterer Beleg dafür aufgefasst, dass das Land langsam in die Knie geht. Aber es ist schon klar, was uns der Autor suggerieren will: Nasrallah ist irgendwie ein gefährlicher Bursche, um den sich zurzeit die ganze ewig gedemütigte arabische Nation schart. Eine Zeitbombe, die, natürlich, nur der jüdische Staat entschärfen kann, der ja angeblich den Schlüssel zum Frieden in der Hand hält, auch wenn er für jeden Rückzug und für jeden Kompromiss nur noch mehr Hass, Verachtung und Terror erntet. Das könnte auch Avenarius wissen. Es steht sogar zu vermuten, dass er es weiß. Dennoch spielt er die alte Leier, damit eines klar ist: Wenn die Araber uns Ärger machen, ist der Jude dran schuld. Noch Fragen?

Thursday, August 17, 2006

Der Hit des "Schwarzen Ritters"

In der Frankfurter Rundschau von heute meldet sich Sybille Oetliker aus Jenin, der stolzen Hauptstadt der Selbstmordattentäter. Sie berichtet vom recht eigenwilligen Musikgeschmack der Palästinenser, bei denen derzeit ein Loblied der Band Firqat ash-Shimal auf Hisbollah-Führer Nasrallah der absolute Renner ist:

„Jedes Kind kennt das Lied. Jung und Alt, Christen und Muslime kommen gleichermaßen ins Schwärmen und singen den Refrain mit: ,Wir loben Dich, den Falken aus Libanon, wir loben Dich, Hassan Nasrallah, Du mögest mit Gotteshilfe siegen.’ Natürlich reimt sich das auf Arabisch, und zusammen mit der eingängigen Melodie ist es ein wahrer Ohrwurm“, schwärmt die Korrespondentin.

Was den Ägyptern, die Schaaban Abdel Rahims Lied „Ich hasse Israel“ 2001 zum Sommerhit des Jahres machten, recht ist, ist den Palästinensern nur billig. Da sie entgegen allen Erfahrungen immer wieder dazu neigen, aufs falsche Pferd zu setzen – man erinnere sich an die Unterstützung Saddam Husseins im Golfkrieg – feiern sie nun Nasrallah als ihren Helden.

„Niemand will verpassen, was er zu sagen hat. ,Er ist ein faszinierender Redner, ein intelligenter Politiker und ein hervorragender Stratege", sagt ein langjähriges, ganz und gar säkulares Fatah-Mitglied in Ramallah nicht ohne Bewunderung und stellt ernüchtert fest, solche Köpfe fehlten in Palästina“, weiß Frau Oetliker zu berichten. Und Bandmitglied Ala'ad-Din wird mit den Worten zitiert: "Die Erfolge von Hisbollah erfüllen viele Menschen hier mit Zuversicht und Stolz. Diese Gefühle wollte ich mit dem Lied ausdrücken.“

Nun kann eine solche Haltung nicht überraschen in einem Umfeld, das den Hisbollah-Zwilling Hamas vor einem halben Jahr mit absoluter Mehrheit in die Regierungssessel gehievt hat. Gleichwohl spotten die Verhältnisse in den Palästinensergebieten die immer gleiche und immer noch erfolglose Strategie des Terrors Hohn. Was hat der gewaltsame Weg den Palästinensern gebracht außer Armut, Anarchie, Leid und Zerstörung? Selbst die internationale Unterstützung wurde verscherzt, ein Kunststück, das man erst einmal fertig bringen muss. Aber haben sie aus dem Desaster gelernt? Nein. Lieber delektieren sie sich an Erfolgen, die keine sind. Tatsächlich steht die Hisbollah eindeutig schlechter da als vor fünf Wochen: Im Südlibanon hat sie bis auf weiteres nichts mehr zu melden, sie hat mehrere hundert Kämpfer verloren und einen guten Teil ihres in Jahren aufgebauten Waffenarsenals. Der nächste Versuch, Israel mit Raketen einzudecken, wird, wenn schon nicht verhindert, von den internationalen Truppen zumindest registriert. Und für den Fall, dass sich die Miliz nicht entwaffnen lässt, hat Israels Premier Olmert eine zweite Runde angekündigt, in der die IDF mutmaßlich den ganz großen Stock rausholen wird.

Erfolge sehen anders aus. Aber so lange man eine Niederlage nicht eingesteht, so denkt man in Palästina, hat man nicht verloren. Das erinnert frappierend an eine Szene aus Monty Python´s „Die Ritter der Kokosnuss“: Der „Schwarze Ritter“ fordert den zufällig des Weges kommenden König Artus ohne Not zum Kampf heraus. Er fightet erbärmlich, schon wird ihm ein Arm abgeschlagen, dann der zweite. Aber er will nicht aufgeben, fordert die Fortsetzung des Kampfes. Artus säbelt ihm ein Bein ab, und auf dem anderen hüpfend, singt der „Schwarze Ritter“ noch Spottlieder auf seinen Kontrahenten und ruft: „Ich spuck dir ins Gesicht und blende dich!“ Am Ende zappelt nur noch der blutüberströmte Rumpf des Ritters am Boden, der nun sein letztes Angebot macht: „Okay. Einigen wir uns auf Unentschieden“.

Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?

Tuesday, August 15, 2006

Hut ab!

Wir wollen hier nicht nur meckern. Nun hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine Reise nach Damaskus kurzfristig absagt, weil der syrische Diktator Assad der Jüngere eine Brandrede gehalten hat, in der er Hisbollah pries und Frieden mit Israel kategorisch ausschloss. Und soviel ungewohnte Courage wie die von Steinmeier demonstrierte verdient allen Respekt, zumal sich die meisten westlichen Politiker immer wieder gern mit Tyrannen vom Schlage Assads treffen, Menschenrechtsverletzungen hin oder her. Eine löbliche Ausnahme also. Steinmeier – den Namen wird man sich merken müssen.

Auuus, auuus, der Krieg ist auuus…!

Kleines Gedankenspiel: Eine Gruppe von Bankräubern stürmt eine Filiale, erschießt den Kassierer und einige Kunden und nimmt die restlichen als Geiseln. Alsbald trifft das Sondereinsatzkommado der Polizei ein, geht in Stellung, es kommt zu Schusswechseln.
Die Reaktion der Öffentlichkeit: blankes Entsetzen! „Ach, Kinder, seid ihr denn verrückt?! Jetzt hört aber mal gefälligst auf mit dem Geballer, ja? Marsch, marsch, zurück in eure Ausgangspositionen! Die Herren Geiselnehmer fahren bitte nach Haus, das SEK zurück in die Kaserne. Und dass Ihr hier nicht so bald wieder Ärger macht!“

Auf die Ebene der Politik übertragen nennt sich so eine Haltung „Resolution 1701“. Die Herren Geiselnehmer von der Hisbollah werden es zufrieden sein, denn so wird ihnen gestattet, sich – abgesehen von einigen durchaus empfindlichen Schlägen gegen ihre Hauptquartiere und ihr Waffenarsenal sowie einer Dezimierung ihrer Kämpfer – letztlich relativ ungeschoren aus der Affäre zu ziehen. Denn ihre Entwaffnung wird nicht ausdrücklich gefordert, womit 1701 sogar hinter 1559 zurückfällt, und plötzlich sind auch die nach UN-Beschluss (!) zu dem von Syrien beanspruchten Golan gehörenden Sheba’a-Farmen wieder ein Thema, womit die Hisbollah ihre wahrheitswidrige Behauptung, Israel habe im Jahr 2000 eben nicht jeden Quadratzentimeter libanesischen Territoriums geräumt, weiter aufrecht erhalten kann.

Seien wir ehrlich: Hisbollah konnte diesen Krieg nicht wirklich verlieren. Jeder Kampftag, der ins Land ging, stärkte ihr Helden-Image in der arabischen Welt; jeder Tote auf israelischer Seite war ohnehin erwünscht, jeder tote libanesische Zivilist ebenso – als Beweis für die behauptete Skrupellosigkeit Israels. Alles andere als die komplette Entwaffnung der Terror-Miliz konnte sie nur als „Sieger“ erscheinen lassen. Zugleich ist das Image des Feindes, wie bei jedem Waffengang, einmal mehr ramponiert, und so kann die Hisbollah, nachdem sie ihre Waffenarsenale wieder aufgefüllt und neue Fanatiker rekrutiert hat, sich in Ruhe auf den nächsten Krieg vorbereiten, der ganz sicher weder von den Truppen der nur im Antisemitismus vereinten Nationen noch von der regulären libanesischen Armee verhindert werden wird, welche ohnehin zur Hälfte aus Schiiten besteht, die mit der Hisbollah sympathisieren. Die Armee hat denn auch gleich klargestellt, dass sie zwar in den Süden des Landes einrücken wird, aber nicht daran denkt, die Miliz zu entwaffnen. Kein Wunder, dass deren Führer Nasrallah gestern einen „historischen Sieg“ verkündete.

Umgekehrt konnte Israel diesen Krieg nicht gewinnen. Mit einer kritischen Öffentlichkeit, die spätestens nach dem Krieg Rechenschaft für jede Entscheidung der Regierung fordert, die Bürger das Leben gekostet hat, und mit einer grundsätzlich feindlich gesinnten Weltöffentlichkeit, die nur zu gern bereit ist, jede Lüge und jeden Vorwurf aufzuschnappen, der Israel in schlechtem Licht erscheinen lässt, kann auch eine so gut gerüstete und ausgebildete Armee wie die IDF nur mit angezogener Handbremse in den Kampf ziehen. Da nützt es nichts, gezielt die Hauptquartiere der Hisbollah im Süden Beiruts ins Visier zu nehmen – man wirft ihr vor, sie lege eine ganze Stadt in Schutt und Asche. Da muss sie sich darüber im klaren sein, dass ein Luftangriff auf eine Brücke oder eine Straße, über die der Nachschub für die Hisbollah rollt, als „Zerstörung ziviler Infrastruktur“ gegeißelt wird. Da kann sie noch so viele Flugblätter über libanesischen Ortschaften abwerfen, auf denen sie die Bewohner auffordert, das Kampfgebiet zu verlassen – die Hisbollah wird sich skrupellos hinter den letzten Zivilisten verschanzen und jedes tote Kind vor die Kamera zerren, um den Ruf des jüdischen Staates als „Kindermörder“ zu befeuern. Und da reicht eine Handvoll Opfer eines Militärangriffs, um sich den Vorwurf des „Vernichtungsfeldzugs“ einzuhandeln. Es ist eben so: 16 tote Kinder in Kana – wie auch immer sie zu Opfern geworden sind – „schockieren“ die Weltöffentlichkeit ganz besonders und wochenlang und mehr als die 43 toten Waisenkinder gestern in Colombo und gewiss noch viel mehr als 30 israelische Kinder, die vor einer Disco massakriert werden, von einem palästinensischen Attentäter, der schon einen Grund für seine Tat gehabt haben muss. Und wehe die Armee wagt es, in blutigen Häuserkämpfen mehr Feinde zu töten als eigene Verluste zu erleiden: die höhere Anzahl der „Opfer“ auf der anderen Seite wird todsicher negativ für Israel verbucht werden.

Nein, wo schon die Dauer eines Feldzuges als vermeintlicher Beweis für seine Illegitimität herhalten muss, ist kein Blumentopf zu gewinnen. Bestenfalls lässt sich so ein diplomatisches Unentschieden herausholen, und vor diesem Hintergrund muss man die Annahme der Resolution durch die Regierung Olmert wohl sehen. Gleichwohl: 4000 Raketen auf die Städte im Galil einstecken und am Ende akzeptieren zu müssen, dass die feixende Hisbollah mehr oder weniger intakt bleiben darf, das ist unterm Strich zuwenig. Zwar hat das für die „Partei Gottes“ wohl überraschende Zurückschlagen der IDF der arabischen Welt kurzfristig vor Augen geführt, dass Israel sich noch immer nicht ungestraft angreifen lässt, aber wenn die alte arabische Strategie, erst anzugreifen und dann "Haltet den Dieb!" zu schreien, einmal mehr aufgeht und der „jüdische Feind“ vom Westen gemahnt wird, sich an Regeln halten, die man selbst kaltblütig ignorieren darf, wittert man natürlich Morgenluft. Dann kann von Abschreckung, die ohnehin nur funktioniert, wenn dem Gegner das eigene Leben noch etwas bedeutet, gar keine Rede mehr sein. Dann kann man umso hemmungsloser das Kriegsrecht brechen. Und dann wird ein von außen erzwungenes Remis auch gern als Sieg gefeiert, wie 1973. Damals sprachen die UN erst ein Machtwort, als das von Syrien und Ägypten attackierte Israel 101 Kilometer von Kairo entfernt und die 3. Ägyptische Armee von Sharons Truppen eingekesselt war. Gleichwohl spielte sich Sadat bis zu seinem Tod zum Jahrestag des Kriegsbeginns als Sieger auf.

Das hat ja Tradition in der arabischen Welt, angefangen beim desaströs gescheiterten Nasser über den stets das Victory-Zeichen präsentierenden ewigen Loser Arafat bis hin zu „Comical Ali“, den Propagandaminister Saddam Husseins, der noch vom Flughafen Bagdad als Massengrab für die Alliierten sprach, als deren Panzer schon über die Tigris-Brücken rollten.

Ein gefühlter (Teil-)Sieg wird der gequälten arabischen Seele gut tun, denn Autosuggestion ist das Eine, aber man bekommt den Erfolg auch gern von außen bestätigt. In diesem Sinne war Michael Lüders gestern mit Vergnügen bereit, die israelische Armee in einem Fernseh-Interview als „großen Verlierer“ zu bezeichnen, dessen „Angriff auf den Libanon“ (sic!) sich als „großer Fehler“ erwiesen habe, womit der aus welchen Gründen auch immer als Nahostexperte geltende Lüders diverse Grenzverletzungen, Ermordungen und Verschleppungen von Soldaten auf israelischem Territorium sowie Raketen auf zivile Ortschaften im jüdischen Staat offensichtlich als Bagatelle einordnet und den Angegriffenen zum Aggressor stempelt.

Eines muss man den Arabern lassen: Die Rolle der verfolgenden Unschuld beherrschen sie aus dem Effeff. Aber wenn die Kameras ausgeschaltet sind, dürften Nasrallah und sein Gönner in Teheran mit einem Gläschen Ziegenmilch anstoßen – auf die nächste Runde im Heiligen Krieg. Demnächst in diesem Kino.

Sunday, August 13, 2006

Fußballgott!

Er ist wieder da - wenn auch beim falschen Team.

Wie könnt' es anders sein...

Dann gewinnen wir eben die nächsten 33 Spiele. Aber ein Tor wäre schon schön gewesen.

Friday, August 11, 2006

"Terror made in Britain", "Britische Staatsbürger"…

…und überhaupt: Islamisten würden sowas wie Flugzeugsprengungen doch nie erwägen! So meldet die Süddeutsche Zeitung heute: "Ermittler vereiteln angeblich (sic!) Anschläge auf Linienflugzeuge". Schon klar. Einschlägige Verschwörungstheorien werden mutmaßlich bereits in Umlauf sein. Don´t hold your breath.

Hier die Namen der Festgenommenen; wie man sieht, alles waschechte Briten:

Abdula Ahmed Ali, geboren am 10. Oktober 1980, Walthamstow, London
Cossor Ali, geboren am 4. Dezember 1982, Walthamstow, London
Shazad Khuram Ali, geboren am 11. Juni 1984, High Wycombe, Buckinghamshire
Nabeel Hussain, geboren am 10. März 1984, London
Tanvir Hussain, geboren am 21. Februar 1981, Leyton, London
Umair Hussain, geboren am 9. Oktober 1981, London
Umar Islam, geboren am 23. April 1978, High Wycombe, Buckinghamshire
Waseem Kayani, geboren am 28. April 1977, High Wycombe, Buckinghamshire
Assan Abdullah Khan, geboren am 24. Oktober 1984, London
Waheed Arafat Khan, geboren am 18. Mai 1981, London
Osman Adam Khatib, geboren am 7. Dezember 1986, London
Abdul Muneem Patel, geboren am 17. April 1989, London
Tayib Rauf, geboren am 26. April 1984, Birmingham
Muhammed Usman Saddique, geboren am 23. April 1982, Walthamstow, London
Assad Sarwar, geboren am 24. Mai 1980, High Wycombe, Buckinghamshire
Ibrahim Savant, geboren am 19. Dezember 1980, London
Asmin Amin Tariq, geboren am 7. Juni 1983, Walthamstow, London
Shamin Mohammed Uddin, geboren am 22. November 1970, Stoke Newington, London
Waheed Zaman, geboren am 27. Mai 1984, London

Thursday, August 10, 2006

Moralische Insolvenzerklärung

In Haifa leben ca. 270.000 Menschen, darunter 30.000 Araber. Die nordisraelische Hafenstadt ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass Juden und Araber sehr wohl friedlich mit- und nebeneinander her leben können.

Die Raketen der Hisbollah machen keinen Unterschied, sie treffen und töten Juden wie Araber. Erst letzte Woche schlug eine Katjuscha im alten Hafenviertel ein, drei arabische Einwohner starben.

Jetzt fordert Nasrallah alle in Haifa lebenden Araber auf, die israelische Metropole zu verlassen. "Wir haben bislang wegen euch (bzw. euretwegen, C.C.) gezögert, die Stadt anzugreifen“, lügt er dreist in die Fernsehkameras. „Deswegen verlasst jetzt bitte die Stadt“.

Welch perverse Nachahmung israelischer Warnungen an libanesische Zivilisten, aus von der Hisbollah beherrschten Gegenden zu fliehen, damit es keine Unschuldigen trifft. Denn für Nasrallah und andere notorische Antisemiten sind natürlich alle Juden schuldig, sie zu ermorden ist eine heilige Pflicht und aller Ehren wert.

Jostein Gaarder („Sofies Welt“) und andere europäische Judenhasser haben dafür Verständnis. Der norwegische Schriftsteller möchte die Israelis gar der Barmherzigkeit ausgerechnet jener ausgeliefert sehen, die einen hinterhältigen Massenmord an Linienbuspassagieren mit Jubelgesang und Kuchen für alle zu feiern pflegen. Vielleicht spart er sich sogar, in Erwartung eines Islamisten-Sieges, für diesen Tag die eine oder andere Krokodilsträne auf. Und so einer wollte mal Kindern die Welt erklären. Kann man moralisch noch tiefer sinken?

Aber selbstredend ist auch Gaarder nach eigenem Bekunden „ein Freund Israels“. Wer solche Freunde hat, braucht wirklich keine Feinde mehr.

Friday, August 04, 2006

Nasrallah visiert das falsche Ziel an

Im Reuters-Video, das heute auf SPIEGEL online zu sehen ist, erklärt Hisbollah-Führer Nasrallah:

"Wenn ihr unsere Hauptstadt bombardiert, werden wir die Hauptstadt eures Unterdrückerstaates bombardieren. Wenn ihr Beirut angreift, wird der islamische Widerstand Tel-Aviv angreifen."

Dabei müssten Nasrallahs "Gotteskrieger" ca. 60 Kilometer weiter südöstlich zielen, um die Hauptstadt zu treffen. Das kommt davon, wenn man im Geographie-Unterricht nicht aufgepasst hat.

Thursday, August 03, 2006

Low-Level Conflict

SPIEGEL online beklagt heute „die grauenvolle Statistik eines Krieges.“

„Auf 762 bezifferte das libanesische Gesundheitsministerium gestern die Zahl der Todesopfer im Libanon. Andere Quellen sprachen von mindestens 643 Toten. Heute nun korrigierte der libanesische Regierungschef Fuad Siniora die Zahl weiter nach oben.“

Es kann natürlich auch sein, dass die 900 Toten, von denen Siniora spricht, keine „Korrektur“, sondern eine Übertreibung darstellen. Das gestörte Verhältnis zu Zahlen, das im Orient gepflegt wird, ist ja allgemein bekannt. Man erinnert sich an die „500 Toten“ von Jenin. Und erst gestern meldete Human Rights Watch, eine Organisation, der niemand Parteinahme für Israel nachsagen wird, dass in Kana genau 28 Menschen starben und nicht „fast 60“, wie es bisher allerorten hieß. Vorausgesetzt, sie starben überhaupt dort und vorausgesetzt, sie starben überhaupt durch israelische Raketen, woran es ja inzwischen begründete Zweifel gibt. Sicher ist nur, dass sie als Geiseln der Hisbollah starben, zum höheren Zweck der Propaganda.

Dass Siniora, nun, sagen wir: es mit der Wahrheit nicht unbedingt genau nehmen muss, liegt ja auch auf der Hand, schließlich muss er keine Neutralität vortäuschen. Er darf sowas sagen. Die Frage ist nur: Müssen wir ihm auch glauben? Klar ist doch, dass die libanesische Seite ein Interesse daran hat, möglichst hohe Opferzahlen zu verbreiten, um die internationale Öffentlichkeit dazu zu bewegen, Israel seines Rechts auf Selbstverteidigung zu berauben.

Die Medien spielen da gern mit. Vor einigen Wochen, es ging um eine israelische Militäraktion in Gaza, meldeten die Morgennachrichten des Norddeutschen Rundfunks, dass bei dem Einsatz „nach unbestätigten Meldungen (sic!) ein Palästinenser getötet wurde“. Eine Glanzleistung des Journalismus: Man konnte die Bestätigung der welterschütternden Meldung, dass ein (in Worten: ein!) Palästinenser getötet wurde, gar nicht abwarten – wenn sie denn überhaupt je bestätigt wurde – und gab sich mit dem bloßen Gerücht zufrieden.

In Kana ganz offensichtlich auch. Jemand setzt die Zahl 60 in die Welt und sie dreht ihre Runde um den Globus. Nun sind zwar auch 28 tote Zivilisten nicht viel weniger schrecklich als die doppelte Anzahl, aber man muss schon fragen dürfen, warum zunächst die doppelte Opferanzahl behauptet wurde und warum man sie glaubte, bevor die Toten geborgen wurden.

Auf SPIEGEL online heißt es in dem Bericht: „Fakt ist: Die Verluste auf israelischer Seite sind um ein Vielfaches geringer. Gestern war offiziellen Angaben zufolge von mehr als 50 israelischen Opfern die Rede.“

Auf israelischer Seite ist die Opferzahl vor allem deshalb geringer, weil die Zivilisten dort in Bunkern sitzen oder gleich den Norden Galiläas verlassen haben, um in anderen Landesteilen Schutz zu suchen. Sie werden eben nicht gezwungen, im Kampfgebiet zu bleiben, um den Fotografen von AP oder Reuters ein paar schöne Leichen anbieten zu können.

Wie auch immer: Ob nun 762 tote Libanesen oder doch nur 643 oder auch die von Siniora beklagten 900 – für mehr als drei Wochen Krieg mit 10.000 israelischen Soldaten und tausenden Hisbollah-Terroristen im Einsatz, mit 2000 nach Israel abgefeuerten Raketen und zahllosen israelischen Luftangriffen im Südlibanon und in Beirut ist das eine Zahl, die zwar bedauerlich ist, sich aber in Relation zum sonstigen Weltgeschehen relativ mickrig ausnimmt. 900 Tote gab es, als die deutsche Luftwaffe am 14. Mai 1940 Rotterdam bombardierte. An diesem einen Tag. Am ersten Tag der Schlacht an der Somme 1916 starben 21.000 britische Soldaten, davon 8000 allein in der ersten halben Stunde.

1994 mordeten Hutus in Ruanda fast eine Million Tutsis hin, ohne dass sich irgend jemand groß dafür interessiert, geschweige sich denn darüber ereifert hätte. Das Massaker ließ die Welt kalt, so wie die 42 Kriege und bewaffneten Konflikte sie kalt lassen, die allein gegenwärtig rund um den Erdball toben und nach vorsichtigen Schätzungen bisher 6,7 Millionen Todesopfer forderten.

Aber „die Welt ist geschockt über Israels Kriegsführung“ (SPIEGEL online), und meint damit den Beschuss eines UN-Postens, aus deren unmittelbarer Nähe zuvor Hisbollah-Terroristen Raketen abgefeuert hatten, sowie das äußerst obskure „Massaker“ von Kana. Dabei bestreitet niemand, dass auch von Kana aus zivilen Häusern heraus geschossen wurde, und dass die israelische Armee schon Tage zuvor alle Bewohner zum Verlassen der Ortschaft aufgefordert hatte. Wer will da allen Ernstes ein vorsätzliches Blutbad behaupten?

Wem als Beispiel für Kriegsverbrechen bei all den Sauereien, die weltweit verübt werden, ausgerechnet Kana einfällt, dem ist nicht mehr zu helfen. Ließe man endlich mal die Moschee im Dorf, müsste man zugeben, dass ein mit solcher Intensität geführter Kampf wie der zwischen den israelischen Streitkräften und der Hisbollah bislang eine erstaunlich geringe Anzahl von Opfern gefordert hat. Trotz allen Geredes von "Eskalation" und "Flächenbrand": Es ist nach wie vor ein begrenzter Konflikt.

Es wären viel mehr Tote zu beklagen, wenn Hisbollah könnte, wie sie wollte, und wenn die IDF wollte, wie sie könnte. So einfach ist das.

Wednesday, August 02, 2006

Was Israel nicht darf…

...erklärt uns Martin Klingst in seinem Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Was Israel alles nicht darf, hören wir von Friedensbewegten, Völkerrechtlern, Journalisten, Politikern und überhaupt jedem, der es angeblich gut mit Israel meint, aber das Recht des jüdischen Staates auf Selbstverteidigung negiert oder doch zumindest eingeschränkt sehen will.

Nur: Was darf Israel? Die Antwort auf die Frage, wie denn sonst die IDF gegen mörderische Fanatiker vorgehen darf, die sich hinter den eigenen Zivilisten verschanzen, ist bisher noch jeder Kritiker schuldig geblieben. Und dass Hisbollah, Hamas et al. dies tun, so wie es schon die PLO in Zeiten des libanesischen Bürgerkrieges zu tun pflegte, als sie ihre Raketen in Schulen und Krankenhäusern lagerte, kann ja auch niemand bestreiten. Wenn Martin Klingst schreibt: "Israel zielt nicht nur auf Hisbollah, es nimmt ein ganzes Volk in Geiselhaft", dann stellt er die Sachlage auf den Kopf: Es ist die Hisbollah, die ihren Krieg auf dem Rücken der libanesischen Bevölkerung austrägt. Wenn Israel gegen die selbst ernannten Gotteskrieger vorgeht, kommen so zwangsläufig auch Zivilisten zu Schaden – zur Freude der Terroristen, für die jedes unter den Trümmern eines Hauses hervorgezogene tote Kind ein neuer Etappensieg im Medienkrieg ist. Dass dieses so offensichtliche zynische Kalkül derart vielen schlichten Gemütern immer noch nicht klar geworden ist, ist nur auf den ersten Blick ebenso unverständlich wie die Kollaboration der internationalen Medien mit den Terrorgruppen, als deren nützliche Idioten sie sich nur zu gern zur Verfügung stellen.

Dazu eine kleine Fußnote.

Im Jahr 1982, mitten im Libanon-Krieg, druckte die Westfälische Rundschau das Foto eines schwer bewaffneten Kindes in Uniform ab. Ich habe das Bild bis heute aufgehoben. Die Bildunterschrift lautet: "Feuerpause in Tripoli: Ein PLO-Kämpfer Yassir Arafats, sieben Jahre alt, verzehrt sein Käsebrot".

Dass der Zeitung nichts originelleres einfiel, um den schockierenden Umstand zu dokumentieren, dass Arafat in seinem Volkssturm Kinder verheizte, verwunderte mich damals sehr. Da war ich noch jung und naiv. Heute weiß ich, warum der kleine Kindersoldat den Reporter bzw. den Verfasser der Bildunterschrift kalt ließ. Wenn es gegen die Juden geht, ist alles legitim: der Missbrauch von Kindern und geistig Behinderten, die vorsätzliche Ermordung von Zivilisten, das Zufluchtsuchen von Gunmen in Ambulanzwagen, UN-Fahrzeugen und der Geburtskirche, der Bruch aller Kriegsregeln. Die hysterische Entrüstung über "völkerrechtswidrige Angriffe" spart man sich für die israelische Armee auf, auch wenn sie noch soviel dafür tut, Zivilisten möglichst zu schonen.

Was also darf Israel? Alles, was seine Bürger aus der Reichweite arabischer Raketen bringt, ohne auf das Niveau seiner Gegner herabzusinken. Diese Gefahr hat allerdings nie bestanden und sie besteht natürlich auch jetzt und in Zukunft nicht. Deshalb ist die Empörung der Öffentlichkeit, ob in Europa oder im Orient, so künstlich wie sie verlogen ist. Israels Armee macht ihren Job, sie macht ihn tapfer und professionell und hoffentlich unbeirrt von allen, die sie lieber mit einem auf den Rücken gebundenen Arm kämpfen sehen wollen, wenn nicht sogar einen "einseitigen Waffenstillstand" fordern – als wenn ausgerechnet ein solcher der Königsweg zum Frieden wäre und nicht das perfekte Rezept für den Fortgang und die Intensivierung des Krieges.

Was Israel darf, um sich und seine Bürger zu schützen, bestimmen zum Glück nicht Martin Klingst, Pfarrer Fliege oder Claus Kleber. Israel agiert verantwortlich, weil dort, im Gegensatz zur Region, der moralische Kompass einwandfrei funktioniert. Auf die heuchlerischen Ratschläge aus Europa kann das Land getrost pfeifen.

Auch wenn es vielen nicht schmeckt: Wenn Juden heute von judenhassenden Fanatikern angegriffen werden, dann ist der Staat Israel zur Stelle. Daran wird sich die Welt irgendwann gewöhnen müssen.