Monday, December 04, 2006

Das hätt's unter Saddam nicht gegeben!

Wer hat noch nie den wehmütig vorgebrachten Hinweis eines älteren Mitmenschen vernommen, unter Hitler hätte eine Frau nachts noch gefahrlos auf die Straße gehen können? Ohne nun genauer wissen zu wollen, was eine Frau nachts auf der Straße suchen könnte: Ja, so war es. Jedenfalls wenn die Frau "arisch" war. Wild wuchernden, von Hinz und Kunz ungefragt ausgeübten Terror gab es im Nazi-Reich natürlich nicht, der Terror war Chefsache und wurde monopolistisch vom Staat und seinen Schergen ausgeübt, und zwar nach Recht und Gesetz – oder was man dafür hielt.

Nun klagt, wie SPIEGEL online berichtet, der scheidende UN-Generalsekretär Kofi Annan im Gespräch mit der BBC über die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Irak, "das Leben für normale Iraker sei heute schlechter als unter dem Regime von Saddam Hussein". Für den durchschnittlichen Iraker gelte folgender Vergleich: "Als sie einen brutalen Diktator hatten, konnten sie auf die Straße gehen, ausgehen, die Kinder konnten zur Schule und nach Hause gehen, ohne dass sich Vater oder Mutter fragen mussten: Sehe ich mein Kind wieder?"

Na, wenn das kein Plädoyer für die "starke Hand" ist, nach der sich auch hierzulande so mancher sehnt! Wie leicht wiegen dagegen der völkerrechtswidrige Angriff auf den Iran, die ebenso völkerrechtswidrige Annexion Kuweits, die völkerrechtswidrigen Scud-Raketen auf Ballungszentren in Israel, die Vergasung tausender Kurden, der tägliche Terror gegen die eigene Bevölkerung, die Ermordung von 290.000 Irakern?

Man hätte sich gewünscht, Kofi Annan hätte sich soviel Gedanken über sorgenvolle Eltern gemacht, als palästinensische Selbstmordattentäter israelische Schulkinder in Linienbussen zu Dutzenden massakrierten. Jedenfalls galt ihm damals jedes Vorgehen gegen die Urheber des Terrors als "exzessiv" und "unangemessen" und als "Drehen an der Gewaltspirale". Es kommt wohl darauf an, wer wen ermordet. Wobei Annan selbstverständlich nicht behaupten kann, dass der Terror gegen die irakische Zivilbevölkerung von den US-Truppen ausgeht. Ohnehin drängt sich der Eindruck auf, dass das Schicksal der Zivilisten im Irak Annan erst zu interessieren begann, als sich die Koalition der Willigen anschickte, das Regime Saddam Husseins zum Teufel zu jagen. Glaubwürdig macht ihn das nicht gerade. Aber was soll's, seine Amtszeit ist ohnehin bald beendet, da kann man auch schon mal einer mörderischen Diktatur das Wort reden. Und so einer ist Friedensnobelpreisträger.

Aber das war Yassir Arafat ja auch.

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