Wednesday, November 01, 2006

Mal was Neues: Hass auf Israel

Vor einigen Jahren entzückte der ägyptische Sänger Shaban al-Rahim seine Landsleute mit dem schmissigen Popsong „Ich hasse Israel“. Der Titel war nicht besonders einfallsreich, aber die Melodie ging ins Ohr. Jetzt schmückt der gleiche Titel ein neues Theaterstück, das in den kommenden Tagen in Bahrain zu sehen sein wird.

Wie die unabhängige (?) ägyptische Tageszeitung Al-Mitzri Al-Youm berichtete, wird in dem Theaterstück Israel für seinen Umgang mit den Palästinensern kritisiert: „Das Theaterstück beschäftigt sich mit der schwachen Reaktion der arabischen Regime in Zusammenhang mit unseren Brüdern im Libanon und in Palästina“, so der Regisseur Muhamad al-Kafas. „Wir müssen Israel den Hass auch zeigen und ihn in unserer Schlacht nicht nur ein Gefühl bleiben lassen“.

Das finden wir auch: Gefühle müssen raus! Allerdings wird das täglich nirgendwo so deutlich wie im Orient, wo der Mob auch gern mal wegen einiger Karikaturen im fernen Skandinavien Amok läuft. So hat man, mit Verlaub, schon länger den Eindruck, dass sich der arabische / muslimische Hass auf Israel längst als solcher artikuliert hat. Der Schlachtruf "Itbach al-Jahud!" (Schlachtet die Juden) ist seit den 20er-Jahren in Palästina der Dauer-Hit, von Nordafrika bis Indonesien verbrennen arabische Israelkritiker die Flagge mit dem Davidstern, um dann noch auf den verkohlten Überresten herumzutrampeln (selbst Palästinas angeblich gemäßigter Ex-Parlamentspräsident Kurej alias Abu Ala wurde schon bei der lustvollen Ausübung dieses traditionellen Rituals gefilmt) oder ziehen mit wutverzerrten Fratzen durch die Straßen, während sie Israel lauthals den Tod wünschen; ja, der Hass auf Israel hat jedem Muslim eine Herzensangelegenheit zu sein, andernfalls er sich als potenzieller Kollaborateur der Zionisten verdächtig macht, was im ungünstigsten Fall am Strommasten enden kann; und jedes arabische Kind, das etwas auf sich und die Familienehre hält, sollte sich tunlichst in diesem Sinne äußern, sobald eine TV-Kamera in Sichtweite kommt. Bombenattentate auf jüdische Zivilisten werden mit Kuchen für alle gefeiert und zur Gaudi des israelkritischen Publikums später öffentlich nachgespielt, wenn längst Straßen, Plätze und Fußballturniere nach den Mördern benannt worden sind.

Die Vermutung, dass es sich bei der Benennung des Theaterstücks um einen geschickten Marketing-Schachzug handelt, ist also wohl nicht zu gewagt. Während es in der westlichen Welt heißt: "Sex sells", verkauft sich eben in den islamischen Ländern der offene Hass auf den jüdischen Staat besonders gut. Der einfach gestrickte mitteleuropäische Spätprogramm-Konsument mag sich durch die strenge Aufforderung "Ruf! Mich! An!" angesprochen fühlen, der feinsinnige Kulturfreund in Bahrain – einem Staat, der nie Krieg mit Israel geführt hat – ist mit dem Hass auf den jüdischen Staat leichter ins Theater zu locken.

Wer jetzt aber annimmt, dass wir in den Medien das eine oder andere kritische Wort über dieses doch recht fragwürdige kulturelle Gebaren hören werden, ist schief gewickelt. Schließlich sind unsere Auslandsreporter derzeit mit einem ganz anderen Thema beschäftigt: Im israelischen Kabinett sitzt nämlich seit neuestem der Rassist und Araberhasser Avigdor Lieberman. Und ein Jude, der Araber hasst, ist allemal interessanter als umgekehrt. Mann beißt Hund, gewissermaßen.

1 Comments:

Anonymous HerrOlliB said...

"Straßen und Plätze nach den Mördern benennen" - oder gleich den menschenverachtenden Oberbegriff benutzen. So gesehen in Bethlehem http://data1.blog.de/blog/n/nicknack/img/Bethlehem-002.jpg

2:28 PM  

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