Tuesday, September 19, 2006

Bürger für den Frieden

Den Wettbewerb „Wie packe ich die meisten Falschaussagen in einen kleinen Absatz?“ hat Herr Günter Schenk aus Beilheim / Frankreich gewonnen – mit einem Leserbrief in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Er mokiert sich darüber, dass Israels Außenministerin Zipi Livni in einem Interview mit Josef Joffe Israel als „Teil des Westens“ bezeichnete. Ausschnitt:

„Westlichem Rechtsverständnis entspricht es keineswegs, zahlreiche Menschen in Administrativhaft – ohne Anklage – zu halten. Gezielte Tötungen, wie groß die Schuldvorwürfe gegen die so Ermordeten sein mögen, entsprechen auch nicht „westlichen Werten“. Schon gar nicht vorstellbar ist es für westliches Denken, wenn ein ganzes Land in Schutt und Asche gelegt wird – zur Befreiung einiger Kriegsgefangener.“

Leider hat Herr Schenk zwei Kleinigkeiten zu erwähnen vergessen: den Krieg und den fortgesetzten Terror, dem sich der Staat Israel ausgesetzt sieht. Selbstverständlich sind Administrativhaft und gezielte Tötungen kein Teil des normalen israelischen Rechtswesens sondern Maßnahmen, die im Ausnahmezustand getroffen werden. Entzieht sich etwa ein Terrorist dem polizeilichen Zugriff, indem er sich in palästinensischem Autonomiegebiet aufhält, ohne dass ihm die dortigen „Sicherheitskräfte“ in eklatanter Verletzung entsprechender Abkommen die Vorbereitung von Terroranschlägen erschweren, muss der Staat Israel ihn auch auf unkonventionelle Art aus dem Verkehr ziehen dürfen, weil er die Pflicht hat, seine Bürger zu schützen. In Deutschland nennt man das, glaube ich, den „finalen Rettungsschuss“, wie er etwa bei Geiselnahmen angewendet werden darf. Daher handelt es sich auch nicht um „Ermordete“, weil die israelischen Streitkräfte und ihre Elitekommandos keine niedrigen Beweggründe haben, etwa einen Bombenbastler wie den „Ingenieur“ Yehie Ayyash oder den Terrorscheich Yassin vom Leben zum Tode zu befördern, sondern sehr reale und durchaus vertretbare. Weiterhin ist durch die Offensive der israelischen Armee im Libanon nicht „ein ganzes Land in Schutt und Asche gelegt“ worden, sondern Teile des von der Hisbollah beherrschten Südens und ein Stadtteil im Süden Beiruts. Und das nicht, um „einige Kriegsgefangene“ zu befreien, sondern als Reaktion auf einen blutigen Überfall der Hisbollah (acht tote Soldaten) auf israelischem Territorium, einem glasklaren casus belli, bei gleichzeitigem Raketenbeschuss israelischer Ortschaften. Als „Kriegsgefangene“ lassen sich hinterrücks überfallene und verschleppte Soldaten auch kaum bezeichnen.

In welcher Welt lebt man eigentlich, wenn man sich, wie Herr Schenk, als Mitglied des „collectif judéo-arabe et citoyen pour la paix“, zum Nahost-Konflikt äußert? Warum nennt der Experte die orientalischen Juden „Mischrazin“ (sic!)? Und was meint er damit, dass „Israel seiner Verantwortung (…) als Teil des Vorderen Orients gerecht“ werden soll? Soll der jüdische Staat auf das Niveau der Region herabsinken? Dann allerdings hätte Herr Schenk aus Beilheim wirklich Grund zur Klage.

2 Comments:

Blogger Thomas Pauli said...

In welcher Welt? Ganz einfach - in einer, in der Selbstmordattentäter gaaanz gaaaanz weit weg sind! Da läßt sich's trefflich moralisieren und man kann ganz ungestört fein ziselierte Traktätchen schreiben, in denen man Gut und Böse ganz sorgfältig auseinanderhalten kann. Wie schön!

9:39 PM  
Blogger Axel Bavaria said...

Zum Thema Administrativhaft:

Diese wird in Israel bisher ausschließlich gegen vermutete jüdische (!!!) Extremisten angewandt -- und nicht etwa gegen die tausenden tatsächlicher islamischer Terroristen. So geschehen zum Beispiel während der ethnischen Säuberung des Gaza-Streifens von Juden.

Da zeigt sich die ganz links-totalitäre Natur des Staates Israel, bzw. seiner politischen/militärischen/polizeilichen Eliten - in israel. Sicherheitskreisen fürchtet man nicht-existenten jüdischen Terror offenbar mehr als den allzu realen, massiven islamischen Terror, der von allen Seiten auf Israel eindrischt.

Daß die Administrativhaft trotzdem als Argument von Anti-Semiten vorgebracht wird, um anti-israel. Stimmung zu schüren, zeugt von ihrer völligen Ignoranz und Unwissenheit bezgl. der Realitäten in Israel.

2:24 PM  

Post a Comment

<< Home