Wednesday, August 02, 2006

Was Israel nicht darf…

...erklärt uns Martin Klingst in seinem Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Was Israel alles nicht darf, hören wir von Friedensbewegten, Völkerrechtlern, Journalisten, Politikern und überhaupt jedem, der es angeblich gut mit Israel meint, aber das Recht des jüdischen Staates auf Selbstverteidigung negiert oder doch zumindest eingeschränkt sehen will.

Nur: Was darf Israel? Die Antwort auf die Frage, wie denn sonst die IDF gegen mörderische Fanatiker vorgehen darf, die sich hinter den eigenen Zivilisten verschanzen, ist bisher noch jeder Kritiker schuldig geblieben. Und dass Hisbollah, Hamas et al. dies tun, so wie es schon die PLO in Zeiten des libanesischen Bürgerkrieges zu tun pflegte, als sie ihre Raketen in Schulen und Krankenhäusern lagerte, kann ja auch niemand bestreiten. Wenn Martin Klingst schreibt: "Israel zielt nicht nur auf Hisbollah, es nimmt ein ganzes Volk in Geiselhaft", dann stellt er die Sachlage auf den Kopf: Es ist die Hisbollah, die ihren Krieg auf dem Rücken der libanesischen Bevölkerung austrägt. Wenn Israel gegen die selbst ernannten Gotteskrieger vorgeht, kommen so zwangsläufig auch Zivilisten zu Schaden – zur Freude der Terroristen, für die jedes unter den Trümmern eines Hauses hervorgezogene tote Kind ein neuer Etappensieg im Medienkrieg ist. Dass dieses so offensichtliche zynische Kalkül derart vielen schlichten Gemütern immer noch nicht klar geworden ist, ist nur auf den ersten Blick ebenso unverständlich wie die Kollaboration der internationalen Medien mit den Terrorgruppen, als deren nützliche Idioten sie sich nur zu gern zur Verfügung stellen.

Dazu eine kleine Fußnote.

Im Jahr 1982, mitten im Libanon-Krieg, druckte die Westfälische Rundschau das Foto eines schwer bewaffneten Kindes in Uniform ab. Ich habe das Bild bis heute aufgehoben. Die Bildunterschrift lautet: "Feuerpause in Tripoli: Ein PLO-Kämpfer Yassir Arafats, sieben Jahre alt, verzehrt sein Käsebrot".

Dass der Zeitung nichts originelleres einfiel, um den schockierenden Umstand zu dokumentieren, dass Arafat in seinem Volkssturm Kinder verheizte, verwunderte mich damals sehr. Da war ich noch jung und naiv. Heute weiß ich, warum der kleine Kindersoldat den Reporter bzw. den Verfasser der Bildunterschrift kalt ließ. Wenn es gegen die Juden geht, ist alles legitim: der Missbrauch von Kindern und geistig Behinderten, die vorsätzliche Ermordung von Zivilisten, das Zufluchtsuchen von Gunmen in Ambulanzwagen, UN-Fahrzeugen und der Geburtskirche, der Bruch aller Kriegsregeln. Die hysterische Entrüstung über "völkerrechtswidrige Angriffe" spart man sich für die israelische Armee auf, auch wenn sie noch soviel dafür tut, Zivilisten möglichst zu schonen.

Was also darf Israel? Alles, was seine Bürger aus der Reichweite arabischer Raketen bringt, ohne auf das Niveau seiner Gegner herabzusinken. Diese Gefahr hat allerdings nie bestanden und sie besteht natürlich auch jetzt und in Zukunft nicht. Deshalb ist die Empörung der Öffentlichkeit, ob in Europa oder im Orient, so künstlich wie sie verlogen ist. Israels Armee macht ihren Job, sie macht ihn tapfer und professionell und hoffentlich unbeirrt von allen, die sie lieber mit einem auf den Rücken gebundenen Arm kämpfen sehen wollen, wenn nicht sogar einen "einseitigen Waffenstillstand" fordern – als wenn ausgerechnet ein solcher der Königsweg zum Frieden wäre und nicht das perfekte Rezept für den Fortgang und die Intensivierung des Krieges.

Was Israel darf, um sich und seine Bürger zu schützen, bestimmen zum Glück nicht Martin Klingst, Pfarrer Fliege oder Claus Kleber. Israel agiert verantwortlich, weil dort, im Gegensatz zur Region, der moralische Kompass einwandfrei funktioniert. Auf die heuchlerischen Ratschläge aus Europa kann das Land getrost pfeifen.

Auch wenn es vielen nicht schmeckt: Wenn Juden heute von judenhassenden Fanatikern angegriffen werden, dann ist der Staat Israel zur Stelle. Daran wird sich die Welt irgendwann gewöhnen müssen.

5 Comments:

Anonymous Guerreiro said...

Danke, daß war nötig.
Meine Nerven liegen schon blank

6:14 PM  
Anonymous jph said...

Bravo. . . Wie ich das vermisst habe.

Wie es im Lande so zugeht, bei denen, die sich sonst mit Töpfern und Fußball befassen, kann man hier sehen:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/service.fpl?op=forum&id=E887t27iI20qu22MMsk
Ich habe gleich mal das Nah-Ost-Forum verlinkt. Der "Klarstellungs-Thread" zeigt gleich, wohin die Reise geht.

Ich bin da irgendwann rausgeworfen worden - selbstredend nicht wegen einer dezidiert israelfreundlichen Position sondern wegen Verletzung der Nettiquette. . .

Beste Grüße,

jph

6:29 PM  
Anonymous Anonymous said...

The Swiss government has also harshly criticized Israel, but the ICRC nevers says a word about the war crimes committed by Hezbollah (i.e. using human shields, bunkers under Mosques, etc.). It is disheartening that the west does not have the backbone to defend Israel against barbarism that will soon be knocking at our door (already in the kitchen in France).

6:45 PM  
Anonymous Anonymous said...

Lieber Herr Casula,
wer sind eigentliche diese "judenhassenden Fanatiker"? Woher kommen sie?
Die agressive (und illegale) koloniale Politik Israels in den besetzten Gebieten hat nicht wenig zu den heutigen Situation beigetragen. Wie sieht es eigentlich aus mit dem Recht der Palästinenser auf selbstverteidigung?
Häuser zerstören, Land stehlen und aggressiv kolonialisieren, Menschen vertreiben, das nennen Sie Selbstverteidigung?

Lassen Sie doch in dieser Debatte einfach die Zahlen sprechen:

Zahl der Opfer in Libanon
Bei dem bislang folgenschwersten israelischen Raketenangriff auf Kana wurden 60 Personen, darunter 37 Kinder, getötet.

Die libanesische Regierung bestätigt 468 Todesfälle unter der Zivilbevölkerung. Hinzu kommen über 1600 Verletzte. Mindestens 750.000 Menschen sollen auf der Flucht sein.

Zahl der Opfer in Israel
Bei dem folgenschwersten Angriff auf die Stadt Haifa am 16. Juli 2006 starben 8 Zivilisten.

Mindestens 36 israelische Soldaten wurden getötet und 95 verletzt, zwei weitere sind von der Hisbollah gefangen.
19 Zivilisten wurden getötet und 418 wurden in Krankenhäusern behandelt; davon waren 19 schwer verletzt. Weitere 875 wurden wegen Schocks behandelt.

Vergleichen Sie diese Zahlen. Wer soll sich hier selbst verteidigen?

12:16 AM  
Blogger Claudio Casula said...

Liebe/r Herr/Frau Anonym,

Für fanatische Islamisten, deren (späte) Wurzeln in der Muslimbruderschaft der 1920er Jahre liegen, ist es vollkommen wurscht, was Israel tut oder unterlässt. Interessanterweise hat sich die Hamas doch erst zu einer ernst zu nehmenden Gefahr ausgewachsen, als Israel bereits besetzte Gebiete geräumt hatte. Es ist sogar so: Gerade wenn Israel Kompromissbreitschaft und Kriegsmüdigkeit signalisiert, stachelt das den Hass der "Gotteskrieger" erst recht an.

Frieden herrschte auch bis 1967 nicht, und selbst zum Unabhängigkeitskrieg 1948/49 hätte es nicht kommen müssen, wenn die arabische Seite den Teilungsplan der UNO, auf die man sich sonst so gern beruft, akzeptiert hätte. Aber die Araber haben den Krieg begonnen, sie haben ihn verloren und sie müssen dann auch die Konsequenzen tragen.

Ob Israels Siedlungspolitik immer richtig war, ist eine andere Frage, aber eines steht fest: Sie war und ist nicht das Kernproblem des Nahen Ostens. Das Kernproblem ist die andauernde Ablehnung Israels in der Region, nicht nur durch besonders kriegsgeile Islamisten.

Jetzt zur Selbstverteidigung. Wollen Sie bestreiten, dass Israel vom (geräumten) Gaza und vom (geräumten) Libanon heraus mit Raketen angegriffen wurde und wird oder wollen Sie ernsthaft den Spieß umdrehen? Da stehen Sie dann doch ziemlich einsam da. Israel REAGIERT, und das mit vollem Recht.

Sie wollen Zahlen sprechen lassen, ohne zwischen Ursache und Wirkung, zwischen Kombattanten und Zivilisten zu unterscheiden? Wenn wir anfangen, diese Zahlen aufzuschlüsseln, kommen Sie in Teufels Küche, das kann ich Ihnen versprechen. Hamas, Islamischer Dischhad, Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden. Tanzim-Milizen und Hisbollah zielen wahllos auf israelische Bürger und Städte, weshalb die Zahl der Zivilisten unter den Israelis, die während der palästinensischen Terrorwelle ermordet wurden, mehr als 80 Prozent beträgt, während es sich bei den Palästinensern genau anders herum verhält. Und erklären Sie mir doch bitte mal, warum der Anteil der getöteten Frauen unter den Palästinensern bei weniger als 5 Prozent liegt und in Israel bei 50. Sehen sie? Schon müssen Sie vom hohen moralischen Ross herunterklettern.

Wenn wir in den Libanon schauen, kommen Sie in genau so große Erklärungsnöte. Dort sterben mehr Zivilisten, weil sie von der Hisbollah als Schutzschilde missbraucht werden. Und in Kana, das wurde jetzt von HRW bekannt gegeben, starben nicht 60, sondern 28 Menschen, darunter 14 Kinder. Wobei diese noch auf das Konto Ihrer obskuren Schützlinge gehen.

Und Flüchtlinge gibt es auch in Israel. In Galiläa leben 1,5 Millionen Menschen in Reichweite der Hisbollah-Raketen, sie flüchten mit einer lächerlichen Vorwarnzeit von 20 Sekunden in Bunker oder gehen auf unbestimmte Zeit in andere Landesteile, leben in Hotels oder schlüpfen bei Verwandten unter. Sie sind in unseren Medien so gut wie gar nicht präsent, ich weiß, aber auch sie leiden, glauben Sie mir.

Sie beziehen für Terrorgruppen Stellung, die erklärtermaßen dem Judenhass huldigen und bereits eine vierstellige Anzahl von Juden, zum größten Teil Zivilisten, ermordet haben. Sie ignorieren die völkerrechtswidrigen Angriffe auf Israel, die kriegsrechtverletzende Einbeziehung von Zivilisten in Kampfhandlungen durch die Hisbollah, die Bereitschaft Israels zur Zwei-Staaten-Lösung, die durch diverse Rückzüge aus Gebieten unterstrichen wurde, die vor fast 40 Jahren in einem dem Land aufgezwungenen Krieg erobert wurden, und Sie wollen uns hier erzählen, dass sich nicht die Israelis, sondern Hamas und Hisbollah selbst verteidigen?

Stellt Israel das Feuer ein, schießt Hisbollah weiter. Stellt die Hisbollah das Feuer ein, ist der Krieg vorbei. Das ist der Unterschied, den Sie bitte zur Kenntnis nehmen mögen.

10:14 AM  

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