Thursday, August 17, 2006

Der Hit des "Schwarzen Ritters"

In der Frankfurter Rundschau von heute meldet sich Sybille Oetliker aus Jenin, der stolzen Hauptstadt der Selbstmordattentäter. Sie berichtet vom recht eigenwilligen Musikgeschmack der Palästinenser, bei denen derzeit ein Loblied der Band Firqat ash-Shimal auf Hisbollah-Führer Nasrallah der absolute Renner ist:

„Jedes Kind kennt das Lied. Jung und Alt, Christen und Muslime kommen gleichermaßen ins Schwärmen und singen den Refrain mit: ,Wir loben Dich, den Falken aus Libanon, wir loben Dich, Hassan Nasrallah, Du mögest mit Gotteshilfe siegen.’ Natürlich reimt sich das auf Arabisch, und zusammen mit der eingängigen Melodie ist es ein wahrer Ohrwurm“, schwärmt die Korrespondentin.

Was den Ägyptern, die Schaaban Abdel Rahims Lied „Ich hasse Israel“ 2001 zum Sommerhit des Jahres machten, recht ist, ist den Palästinensern nur billig. Da sie entgegen allen Erfahrungen immer wieder dazu neigen, aufs falsche Pferd zu setzen – man erinnere sich an die Unterstützung Saddam Husseins im Golfkrieg – feiern sie nun Nasrallah als ihren Helden.

„Niemand will verpassen, was er zu sagen hat. ,Er ist ein faszinierender Redner, ein intelligenter Politiker und ein hervorragender Stratege", sagt ein langjähriges, ganz und gar säkulares Fatah-Mitglied in Ramallah nicht ohne Bewunderung und stellt ernüchtert fest, solche Köpfe fehlten in Palästina“, weiß Frau Oetliker zu berichten. Und Bandmitglied Ala'ad-Din wird mit den Worten zitiert: "Die Erfolge von Hisbollah erfüllen viele Menschen hier mit Zuversicht und Stolz. Diese Gefühle wollte ich mit dem Lied ausdrücken.“

Nun kann eine solche Haltung nicht überraschen in einem Umfeld, das den Hisbollah-Zwilling Hamas vor einem halben Jahr mit absoluter Mehrheit in die Regierungssessel gehievt hat. Gleichwohl spotten die Verhältnisse in den Palästinensergebieten die immer gleiche und immer noch erfolglose Strategie des Terrors Hohn. Was hat der gewaltsame Weg den Palästinensern gebracht außer Armut, Anarchie, Leid und Zerstörung? Selbst die internationale Unterstützung wurde verscherzt, ein Kunststück, das man erst einmal fertig bringen muss. Aber haben sie aus dem Desaster gelernt? Nein. Lieber delektieren sie sich an Erfolgen, die keine sind. Tatsächlich steht die Hisbollah eindeutig schlechter da als vor fünf Wochen: Im Südlibanon hat sie bis auf weiteres nichts mehr zu melden, sie hat mehrere hundert Kämpfer verloren und einen guten Teil ihres in Jahren aufgebauten Waffenarsenals. Der nächste Versuch, Israel mit Raketen einzudecken, wird, wenn schon nicht verhindert, von den internationalen Truppen zumindest registriert. Und für den Fall, dass sich die Miliz nicht entwaffnen lässt, hat Israels Premier Olmert eine zweite Runde angekündigt, in der die IDF mutmaßlich den ganz großen Stock rausholen wird.

Erfolge sehen anders aus. Aber so lange man eine Niederlage nicht eingesteht, so denkt man in Palästina, hat man nicht verloren. Das erinnert frappierend an eine Szene aus Monty Python´s „Die Ritter der Kokosnuss“: Der „Schwarze Ritter“ fordert den zufällig des Weges kommenden König Artus ohne Not zum Kampf heraus. Er fightet erbärmlich, schon wird ihm ein Arm abgeschlagen, dann der zweite. Aber er will nicht aufgeben, fordert die Fortsetzung des Kampfes. Artus säbelt ihm ein Bein ab, und auf dem anderen hüpfend, singt der „Schwarze Ritter“ noch Spottlieder auf seinen Kontrahenten und ruft: „Ich spuck dir ins Gesicht und blende dich!“ Am Ende zappelt nur noch der blutüberströmte Rumpf des Ritters am Boden, der nun sein letztes Angebot macht: „Okay. Einigen wir uns auf Unentschieden“.

Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?

2 Comments:

Blogger Arvid said...

Ja,
man kann immer wieder nur staunen, zu welchen intellektuellen Abgründen der menschliche Geist fähig ist! Ich habe den kompletten Text übersetzt unter http://nirvanaprinzip.blogspot.com/
Schöne Grüße,
Arvid

4:13 PM  
Anonymous Anonymous said...

Zur Analogie mit dem schwarzen Ritter fällt mir eine Karikatur von Gregorius Nekschot ein, die diesem Monat auf Flabber.nl zu sehen war. Der Hisbollahmann ohne Arme und Beine ruft: "Komm her Jude, ich beiß dir den Kopf ab."
http://images.flabber.nl/gregnek.94.gif

5:02 PM  

Post a Comment

<< Home