Friday, July 07, 2006

Frau Bernstein will nicht länger schweigen

Die Süddeutsche Zeitung kaufe ich – und auch dann nur mit Papiertüte überm Kopf – nur noch freitags, wegen des originellen Magazins. So auch vor zwei Wochen. Statt den Rest der Ausgabe gleich ins Altpapier zu geben, beging ich den Fehler, ins berüchtigte Feuilleton zu schauen, wo die moralisierenden Sesselpupser und Terroristenversteher der SZ im Verein mit den Zimmer- und Zuckermännern, ihren jüdischen Kronzeugen, einander mit guten Ratschlägen an den jüdischen Staat zu übertrumpfen pflegen.

Und siehe da: Auch diesmal fand sich an exponierter Stelle links oben „ein Plädoyer im Interesse Israels“. Zimmer- und Zuckermann hatten wohl Ferien, deshalb musste auf eine Dolmetscherin zurückgegriffen werden, die auf den Namen Judith Bernstein hört und seit 30 Jahren in München lebt. Eine Jüdin, in Jerusalem geboren und aus dem Unheiligen Land geflüchtet, da frohlockt das Herz des SZ-Feuilletonredakteurs!

In ihrem Beitrag „Das Schweigen Europas“ (sic!) meint Frau Bernstein der deutschen Öffentlichkeit erzählen zu müssen, dass es den Palästinensern schlecht geht, und dass die Israelis die Schuld dafür tragen. Mit Verlaub: Diese Ansicht ist nicht gar so originell wie die Autorin meint. So ist auch ihre Klage, dass nämlich Europa das nicht zur Kenntnis nähme, kalter Kaffee.

Als Jüdin trägt Frau Bernstein schwer an der Last der Geschichte. Deshalb muss sie von München aus erzählen, wie schlecht sich die Opfer der Shoah benehmen und dass sie leider nichts aus dem Völkermord gelernt haben.

Einige Auszüge mögen allen Menschen, die sich gern auspeitschen lassen, englisches Essen lieben oder Heinz-Rudolph Kunze hören, Appetit auf den ganzen Text machen:

„Ich bin in Israel aufgewachsen und bemühe mich seit vielen Jahren, die Kontakte zu beiden Seiten aufrechtzuerhalten sowie Israelis zu Gesprächen mit Palästinensern zu ermutigen.“

Allein, sie sind so stur, die Juden, möglicherweise, weil es sich empfiehlt, bei Gesprächen mit der Hamas (worüber eigentlich?) einen gewissen Sicherheitsabstand einzuhalten. Außerdem schadete es nichts, wenn Frau Bernstein auch die Palästinenser zum Dialog ermutigte. Man muss ihr viel Glück bei dem Bemühen wünschen, den Palästinensern die Notwendigkeit klar zu machen, demjenigen, der mit ihnen reden soll und von dem sie etwas wollen, beizeiten erstmal das Recht auf Leben zuzugestehen.

„Ich sehe, dass viele Israelis am Ben-Gurion-Flughafen mittlerweile auch Touristen feindselig und wie unerwünschte Personen behandeln…“

Es scheint, dass sich Frau Bernstein am Ben Gurion Airport bereits einen gewissen Ruf erworben hat.

„…ganz zu schweigen von den zahllosen Checkpoints, an denen Palästinenser drangsaliert und gedemütigt werden. Anscheinend wissen die Wachhabenden nicht, was sie tun. Und was tut Europa? Wir schauen schweigend zu.“

Wir schauen schweigend zu? Es dürfte doch kaum einen Europäer geben, der sich nicht für einen großen Nahostexperten hielte, und die Klage über echte oder vermeintliche Schikanen an Checkpoints ist auch nicht eben neu, sie steht tausendfach in allen Zeitungen, wird täglich im Fernsehen verbreitet und von nun wirklich jedem Hillbilly erhoben, der zwar noch nie im Land war, aber trotzdem weiß, was da abgeht. Der Sinn und Zweck der Checkpoints besteht für Frau Bernstein und alle Israelfeinde, äh, -kritiker darin, die Palästinenser zu drangsalieren und zu demütigen, und nicht etwa, um das Eindringen von Terroristen zu verhindern, denn das schlimme Wort Terror kommt der Autorin bezeichnenderweise nicht ein einziges mal über die Lippen. Sie schaut sozusagen schweigend zu, wenn in Jerusalem und Tel-Aviv und Chadera und Netanya die Menschen auf offener Straße in Stücke gebombt werden.

„Während meiner jüngsten Reise habe ich in Ost-Jerusalem gewohnt, wo einige wenige Soldaten gegenüber Tausenden Palästinensern ihre Macht demonstrieren.“

Einige wenige Soldaten laufen in der Altstadt Patrouille, das ist richtig. Und es hat sogar einen Sinn, denn auch in Jerusalem hat es Terroranschläge gegeben, darunter solche, in die arabische Bürger Jerusalems involviert waren. Selbst in der Hauptstadt wurden bereits Hamas-Zellen ausgehoben.

„Unter dem vermeintlichen (sic!) Schutz des Militärs strömen viele Israelis in die Altstadt und bewundern ihre Schönheit: die verwinkelten Basarstraßen, die Cafés und Souvenirläden. Ob sie davon überrascht sind, dass ihnen die Palästinenser statt mit dem erwarteten Hass und mit Verachtung freundlich und hilfsbereit begegnen?“

Gegenfrage: Warum sollten die Araber Jerusalems, abgesehen von einigen islamistischen Ideologen, in ihrer Mehrheit den Israelis mit Hass und Verachtung begegnen? Nicht zuletzt haben sie mit ihrer israelischen Identity Card viele Vorteile, um die sie von den Westbank-Arabern beneidet werden. Und wer "durch die verwinkelten Basarstraßen" schlendert, wird nicht wenige Läden finden, in denen arabische Händler T-Shirts mit dem Logo der israelischen Streitkräfte feilbieten. Soweit geht der Stolz denn doch nicht, dass er ein gutes Geschäft vermasseln könnte.

Mehrmals klagt die Dolmetscherin darüber, dass Europa zur Lage in Nahost „schweigt“, spricht auch von einer „Spirale des Schweigens“, eine zunächst recht kryptisch anmutende Formulierung. Aber wer in jedem Feuerwechsel und in jeder gezielten Tötung und in jeder Ausweisung eine „Eskalation“ sieht, obwohl der Konflikt seit fast sechs Jahren auf dem mehr oder weniger gleichen Level köchelt, vermag sich sicher auch unter einer „Spirale des Schweigens“ etwas vorzustellen.

„Mein Resümee: Nicht diejenigen, die Israels Politik kritisieren, fördern den Antisemitismus, sondern diejenigen, die schweigen und damit zulassen, dass das Bild vom hässlichen Israeli und inzwischen auch vom hässlichen Juden überhand nimmt.“

Soll heißen: Wer für das Recht Israels eintritt, seine Bürger zu schützen, schadet ihnen eigentlich. Und: Am Antisemitismus sind die Juden selbst schuld. Da wird sich Jürgen W. Möllemann in den Armen seiner 72 Jungfrauen ins Fäustchen lachen.

„Bei einer Friedensdemonstration in Tel Aviv, die zur Aufhebung des Boykotts gegen die „Hamas“-geführte Regierung und für die Freigabe der europäischen Gelder an die Palästinenser aufruft, flehen einige Teilnehmer mich an, mit darauf hinzuwirken, dass endlich deutsche und europäische Politiker Druck auf die Politik Israels ausüben.“

Womit sie den Einfluss von Frau Bernstein sträflich überschätzen dürften. Nicht einmal der Dolmetscherin aus München wird es gelingen, die Europäer davon zu überzeugen, dass sie mit ihren Steuergeldern eine Regierung alimentieren sollen, deren „bewaffneter Arm“ sich in Wort und Tat der Vernichtung der Juden verschrieben hat. Aber was soll man von Leuten erwarten, die zu einer Solidaritäts-Demo für jene gehen, die ihnen nach dem Leben trachten?

„Als ich vor rund vierzig Jahren erstmals nach Deutschland kam, hielt ich den Antisemitismus für überwunden. Meine Großeltern sind in Auschwitz umgekommen, meine Eltern mussten als Jugendliche Deutschland verlassen.“

Und Frau Bernstein hat die Stirn, als Nachkomme von Deutschen ermordeter Großeltern und von Deutschen vertriebener Eltern von München aus mit dem Zeigefinger zu wedeln und von Israel zu fordern, seine Politik den Palästinensern gegenüber zu ändern, also den Selbstmordattentätern aus Tulkarem und Jenin durch den Abriss der „Mauer“ endlich wieder freie Bahn zu verschaffen, die Hamas auf den Tempelberg zu bitten und einen Staat Palästina zuzulassen, der sich in erster Linie als Abschussrampe für Raketen auf israelische Städte versteht.

„Ich dachte damals, dass die Zeit gekommen sei, in die Zukunft zu blicken. Heute bin ich nicht mehr sicher, ob die Geschichte mich, meine eigenen Kinder oder spätestens meine Enkelin einholen wird. Werden wir dann mit Fug und Recht behaupten, wir hätten von nichts gewusst?“

Es lohnt sich, diese Sätze gleich zweimal zu lesen: Frau Bernstein fühlt sich für die israelische Politik haftbar gemacht und hat Sorge, dereinst wie die Volksgenossen für des Führers Untaten zur Verantwortung gezogen zu werden. Gleichwohl hat sie mit ihrem Statement in der Süddeutschen Zeitung ihr Gewissen bereits hinreichend entlastet, und ihre Enkel werden stolz auf sie sein, weil sie nicht geschwiegen hat, als die Juden sich frech gegen ihre Mörder wehrten. Eines steht ja mal fest: Sowas hätte es unter Hitler nicht gegeben!

Der Vergleich der Situation in Israel/Palästina mit den Nazis und den Juden hinkt natürlich stärker als der Fuß von Josef Goebbels, aber Frau Bernstein weiß schon, was sie ihren Gastgebern schuldig ist.

„Dass viele Israelis nicht wissen, was in ihrem Namen geschieht, halte ich für möglich, weil die Medien die Palästinenser nur dann wahrnehmen, wenn es über Gewalttaten zu berichten gilt.“

Was die Israelis wissen, darf an dieser Stelle verraten werden: dass sie die Gebiete in einem Krieg erobert haben, den Ägypten und Jordanien 1967 erklärten, und dass Israel immer bereit war, diese Gebiete im Tausch gegen einen Frieden zu räumen; dass man mit den Oslo-Verträgen und den Vorschlägen von Camp David die Grundlage für eine Zwei-Staaten-Lösung geschaffen hat; und dass das Prinzip „Land für Frieden“ nicht funktionierte, weil die Palästinenser lieber Krieg wollten.

Die Behauptung, die israelischen Medien würden nur im Zusammenhang mit „Gewalttaten“ (vulgo: Terror) über die Palästinenser berichten, ist ebenfalls Humbug. Dies kann jeder feststellen, der etwa Haaretz online aufruft. Dort erzählen Gideon Levy, Amira Hass und Gideon Samet täglich, wie schlecht es den Palästinensern geht und dass Israel daran schuld ist. Frau Bernstein rennt also offene Türen ein.

„Und schließlich sorgen die „Trennungsmauern“ dafür, dass sie nicht sehen, was hinter diesen Mauern geschieht.“

Eine neue These: Die „Mauer“ als Sichtschutz!

„Die israelischen Behörden verweigern ihren Staatsbürgern die Einreise in die palästinensischen Gebiete…“

…nicht etwa, weil israelische Staatsbürger dort ermordet würden, sondern…

„damit keine Zweifel aufkommen, ob das Handeln der Soldaten und der Siedler tatsächlich etwas mit „Sicherheit“ zu tun hat.“

Offenbar ist der Wahl-Münchnerin Bernstein nicht bewusst, dass in Israel die allgemeine Wehrpflicht gilt und jeder Bürger zur Armee gerufen wird, Männlein und Weiblein, Religiöse und Säkulare, Linke und Rechte, Juden, Drusen und Beduinen, und dass die Zustände, welche die Autorin beklagt, den Israelis genauso bekannt sind wie ihr, nur dass diese nicht einsehen wollen, warum man ewig ihnen den Schwarzen Peter zuschiebt und die Judenvernichtungswünsche der Palästinenser als Kavaliersdelikt durchgehen sollen.

„Aber wir? Wir wissen – und machen uns mitschuldig, wenn wir unsere Stimme nicht erheben.“

Na, wenigstens Judith Bernstein hat nicht geschwiegen, ebenso wenig allerdings wie Arte, ZDF, ARD, taz, FAZ, Süddeutsche Zeitung, das Neue Deutschland, Norbert Blüm, Rupert Neudeck und der Rest der Republik, wahrlich keine quantité négligeable. Es haut einen doch immer wieder aus den Schuhen, dass nun wirklich jeder Hans und Franz eine Meinung zum Nahostkonflikt hat und diese ungefragt kundtut, aber auch jeder meint, der einzige zu sein, weil mans ja nicht dürfe. Lauter Tabubrecher, die gar nicht merken, dass sie den trüben Mainstream bilden.

Die israelisch-palästinensische „Genfer Initiative“ ist zum Scheitern verurteilt, schon weil sich Leute wie die Autorin „gemeinsam mit ihrem Mann, dem Historiker Reiner Bernstein“ dafür engagieren. Denn: Wer auf einem Auge blind ist, sollte anderen nicht sagen wollen, wo es lang geht.

Wem die Zitate nicht gereicht haben, der kann den ganzen Käse am Stück online hier nachlesen.

11 Comments:

Anonymous Guerreiro said...

Jemand muß mal Frau Bernstein aufklären, dass desto "selbstkritischer" sie mit dem Judentum umgeht nicht bedeutet, daß alle Antisemiten sie plötzlich in ihr Herz aufnehmen werden. Das einzige wird sein, dass beim nächsten Holocaust sie etwas später dran kommt.

5:11 PM  
Anonymous Erik said...

> [...] Ich fahre in das 20
> Kilometer entfernte Ramallah –
> eine lebendige Stadt, in der
> eine reiche Elite dank
> ausländischer
> Geldtransfers entstanden ist [...]

Aus dem Originalartikel. So blöd kann doch niemand sein?

6:07 PM  
Anonymous Anonymous said...

Unter Friedensaktivisten wie Frau Bernstein ist eine beharrliche Leugnung der Realität sehr verbreitet. Dinge wie die Sperranlage werden zwar wahrgenommen, aber die Frage nach der Ursache wird nicht gestellt. Für solche Leute verbirgt sich hinter jedem Attentat eine kulturell anders formulierte Einladung zum Dialog, und der Frieden würde rasch kommen, wenn man nur weit genug nachgeben würde. Was nicht unbedingt falsch ist, denn nach einer Kapitulation herrscht definitionsgemäß Frieden.

Der Friedensaktivist will Frieden durch die Kapitulation der freien Demokratie vor den Islamisten; der "Kriegstreiber" hingegen will Frieden durch Kapitulation der Islamisten.

7:30 PM  
Anonymous Robin said...

Ganz netter Artikel; eine kleine Korrektur am Rande:

in Israel die allgemeine Wehrpflicht gilt und jeder Bürger zur Armee gerufen wird, Männlein und Weiblein, Religiöse und Säkulare, Linke und Rechte, Juden, Drusen und Beduinen

Araber sind mit einigen Ausnahmen (z.B. Drusen) von der Wehrpflicht ausgeschlossen, ultraorthodoxe Juden lassen sich häufig zum Tora-Studium von der Wehrpflicht befreien.

10:57 PM  
Anonymous Sven Wallmann said...

Die Tendenz in Frau Bernsteins Artikel gefällt mir nicht, die "Süddeutsche" durchaus. Ich will keine Zeitung, in der ich nur meine Meinung finde.

1:05 PM  
Anonymous dave said...

Claudio, reg dich erst mal ab. Und dann liess meine Kritik zu deiner Kritik:
Judith Bernstein hat nicht das Existenzrecht Israels in Frage gestellt, sondern in einem Meinungskasten in der SZ ihrer Frustration über die Situation Luft gemacht. Und nicht etwa als Terrorversteherin oder Pro-Hamas-Aktivisten, sondern als Sabarit, die nicht an die rein militärische Option glaubt. Aus dem Meinungsbeitrag spricht auch weniger eine Kritik an Israel, sondern eher Verzweiflung an den momentanen Verhältnissen.

Klar, die Meinung muss man nicht teilen. In er deiner Kritik gehst du aber viel zu weit und deine Angriffe sind neben treffenden Kritikpunkten doch manchmal recht daneben:

> Soll heißen: Wer für das Recht
> Israels eintritt, seine Bürger zu
> schützen, schadet ihnen
> eigentlich.

Nein, soll heissen: Dabei geht es nicht um die Verteidigung, sondern um innenpolitische und sicherheitspolitische Aktionen, die offensichtlich Makulatur sind und wirklich niemandem helfen. Bicht in der in der Linken in Israel stösst das auf Kritik stossen - auch bei IDF-Veteranen, die Israel immer gegen einen arabischen Angriff verteidigen werden. Dieser Vorwurf, den du der Autorin machst (die du auch noch so abschätzig 'Dolmetscherin' titulierst), hast du da selber hinein gelesen. Genauso wie 'Und: Am Antisemitismus sind die Juden selbst schuld.'
Du versuchst, Judith Bernstein in ein Clichédes self-hating jew zu stellen und da liegst du gewaltig daneben. Akzeptier einfach, dass auch Israelis Israel kritisieren und dabei oft recht harsch sind. Was deine Polemik nicht ist, die finde ich lediglich aufgeregt. Dein Absatz 'Die israelisch-palästinensische „Genfer Initiative“ ist zum Scheitern verurteilt, schon weil sich Leute wie die Autorin [...] dafür engagieren.' ist schlicht zynisch und zeugt von einem Desinteresse sich damit überhaupt detailliert auseinander zu setzen. Wenn du das Interesse nicht aufbringt, dann ist auch deine Polemik für die Katz! Da finde ich bei Arutz Sheva noch treffendere Kritiken an der Genfer Initiative.
Und dann noch dies:

'Da wird sich Jürgen W. Möllemann
in den Armen seiner 72 Jungfrauen
ins Fäustchen lachen.'

Mit dem deutsch-nationalen FDP-Fedayeen hat das gar nichts zu tun. Der Artikel gibt eine Meinung wieder, die in der israelischen Linken/Mitte gar nicht so exotisch ist.

So, nun genug. Wie du schon schriebst, in der internationalen Ausgabe von Herald Tribune/Ha Aretz kann man das fast jeden Tag lesen.
Ausgerechnet die SZ halte ich für einen ungeeignetes Medium für den Artikel. Das ist so, als ob ein Beitrag über Gefahren von falscher Ernährung bei Vegananern in einem Fachblatt für Fleischgrosshändler erscheint. Die SZ spart der Politik- und Auslandsteil selten mit Israel-bashing. Vielleicht braucht das Feuilleton der SZ wirklich ihre jüdischen Kronzeugen. Und nein, auch das SZ-Gagazin ist es nicht wirklich wert, mit einer Papiertüte auf dem Kopf herum zu laufen.
Deine Vorwürfe an Frau Bernstein finde ich aber an den Haaren herbei gezogen. Vielleicht, weil du zu wenig Hintergründe wirklich kennst.

Also, reg dich erst mal ab, bevor du in die Tasten haust.

Viele Grüsse,
dw

4:58 AM  
Blogger Claudio Casula said...

@sven wallmann
Auch ich lese Zeitungen, die nicht meine Meinung widerspiegeln, und die SZ halte ich nach wie vor für eine Qualitätszeitung, aber insgesamt sind mir der moralisierende Ton im Politik- und Feuilletonteil sowie das permanente USA/Israel-Bashing Grund genug, sie nicht zu kaufen.

@dave
Seltsam - war gar nicht so aufgeregt, wie du vielleichst meinst. Beim ersten Lesen hab ich allerdings heftig den Kopf geschüttelt.

Es ist das gute Recht eines jeden, nicht allein an die militärische Option zu glauben. Für eine Verhandlungslösung braucht man allerdings einen Partner, und den, das tut mir Leid, sehe ich auf palästinensischer Seite nicht. Selbst mit Arafat war ja buchstäblich kein Staat zu machen. Und jetzt? Glauben "Friedensaktivisten" wie Frau Bernstein wirklich, dass mit Hamas eine Lösung des Konflikts denkbar ist? Soviel Naivität ist doch schon fast strafbar.

Die Genfer Intiative geht ja wohl auch von der Zwei-Staaten-Lösung aus, aber nichts deutet bisher darauf hin, dass ein genügend großer Teil der Palästinenser inzwischen bereit dafür ist. Bestenfalls sind Verhandlungen PLUS Terror für sie denkbar, sie sehen darin offenbar keinen Widerspruch.

Nein, aus dem Artikel kann ich nicht herauslesen, dass die Verfasserin legitime Selbstverteidigung akzeptiert. Selbst "Mauer" und "Checkpoints" sind für sie ja nur Instrumente der Demütigung.

Dass Israelis Israels Politik kritisieren, halte ich für normal und auch für wünschenswert. Es gibt allerdings Kritiker, die die Kirche im Dorf lassen und die Augen nicht vor den hässlichen Realitäten verschließen. Dass Frau Bernstein das Wort "Terror" meidet, spricht Bände.
Das ist das Elend derer, die sich jetzt als Friedensbewegung verstehen: Nachdem Shalom Achshav als Massenbewegung am palästinensischen Terror und der fortgesetzten Ablehung Israels kaputtgegangen ist, bleiben nur noch Gush-Shalom-Leute wie Avnery oder die Bernsteins übrig, die ihr trübes Süppchen vorwiegend in Europa kochen, indem sie mithelfen, Israel an den Pranger zu stellen. Zu Hause nimmt sie ja kaum noch einer ernst. Was ist das für ein erbärmlicher Haufen, der sich in Tel Aviv versammelt, um für Finanzhilfen an Hamas (!) zu werben? Welch eine moralische Bankrotterklärung. Aber demonstrieren dürfen sie, die paar Spinner hält das Land locker aus.

Und: Kein Jude, der Israel fundiert kritisiert, ist ein jüdischer Selbsthasser. Aber Frau Bernstein manövriert sich selbst in diese Kategorie. Es ist ja kein Zufall, dass ihr als Parallele zur Lage in Nahost ausgerechnet das Dritte Reich einfällt. Dass sie ausgerechnet in Deutschland "nicht länger schweigen" will, wenn es um das vermeintliche Fehlverhalten von Juden geht, macht sie auch noch zur Kandidatin für den nützlichen Idioten des Monats. Alle, die immer schon wussten, dass die Juden heute mit den Palästinensern das machen, was die Nazis mit den Juden machten, werden mit diesem Text doch bestens bedient. Widerlich. Ich stelle das nur fest, mit einem Puls von 120.

Ich setze mich gern argumentativ mit jedem auseinander, der gute Gegenargumente parat hat. Judith Bernsteins Anbiederungs-Statement taugt aber eben nur für eine Polemik. Die können Moralapostel ja am wenigsten vertragen.

10:52 AM  
Anonymous Anonymous said...

Der Artikel von Frau Bernstein ist erschreckend. Ihren Anschuldigen und Schlußfolgerungen kommen so harmlos daher. Viele aus meinem Freundeskreis lassen sich von derartigem einlullen, weil ihnen einfach das Fachwissen fehlt. Man ist nicht automatisch Experte für den Nahostkonflikt, nur weil man Jude ist oder in Israel wohnt. Ich finde Claudios Beitrag ganz exzellent. Der Beitrag "So wird man Nahostkorrespondent" auf Philippika ist genial!

3:42 PM  
Anonymous Anonymous said...

Muslim-markt hatte am 04.07.06 einen Beitrag im Forum "Warum die Muslime den Westen hassen". 100mal wir hassen euch, weil... Und meistens ging es um Israel und die USA. Hier ist die url, ich finde es nicht mehr im Archiv, hatte es aber gespeichert:

http://f25.parsimony.net/cgi-bin/topic-flat.cgi?Nummer=63498&Phase=Phase1&ThreadNummer=43788


Menschen wie Frau Bernstein sagen eigentlich ähnliches nur mit milderem Vokabular. Sie lieben Israel, aber, aber und aber. Das mag ja sein, aber Leute wie sie geben Muslimen Recht, die ihren Haß ausleben und dafür sogar töten wollen. Aber woher sollte diese Frau auch den Mut haben, den Terror der sog. Palästinenser zu benennen und anzuklagen. Sich eggen diese weltweite Propagandamaschine aufzulehnen, erfordert großen Mut. Wie schon so oft passiert: Man wird ermordert, abgeschlachtet. Frau Bernstein hätte lieber den Mund gehalten als sich hier zum Affen der Terroristen zu machen.

3:57 PM  
Blogger kassandra said...

Read this, guys. And start opening your eyes, thats wahat you are having them for.

Can you really not see?

by Amira Hass
Haaretz ∏ 1 September 2006



Let us leave aside those Israelis whose ideology supports the dispossession of the Palestinian people because "God chose us." Leave aside the judges who whitewash every military policy of killing and destruction. Leave aside the military commanders who knowingly jail an entire nation in pens surrounded by walls, fortified observation towers, machine guns, barbed wire and blinding projectors. Leave aside the ministers. All of these are not counted among the collaborators. These are the architects, the planners, the designers, the executioners.

But there are others. Historians and mathematicians, senior editors, media stars, psychologists and family doctors, lawyers who do not support Gush Emunim and Kadima, teachers and educators, lovers of hiking trails and sing-alongs, high-tech wizards. Where are you? And what about you, researchers of Nazism, the Holocaust and Soviet gulags? Could you all be in favor of systematic discriminating laws? Laws stating that the Arabs of the Galilee will not even be compensated for the damages of the war by the same sums their Jewish neighbors are entitled to (Aryeh Dayan, Haaretz , August 21).


Could it be that you are all in favor of a racist Citizenship Law that forbids an Israeli Arab from living with his family in his own home? That you side with further expropriation of lands and the demolishing of additional orchards, for another settler neighborhood and another exclusively Jewish road? That you all back the shelling and missile fire killing the old and the young in the Gaza Strip?

Could it be that you all agree that a third of the West Bank (the Jordan Valley) should be off limits to Palestinians? That you all side with an Israeli policy that prevents tens of thousands of Palestinians who have obtained foreign citizenship from returning to their families in the occupied territories?

Could your mind really be so washed with the security excuse, used to forbid Gaza students from studying occupational therapy at Bethlehem and medicine at Abu Dis, and preventing sick people from Rafah from receiving medical treatment in Ramallah? Will also you find it easy to hide behind the explanation "we had no idea": we had no idea that the discrimination practiced in the distribution of water - which is solely controlled by Israel - leaves thousands of Palestinian households without water during the hot summer months; we had no idea that when the IDF blocks the entrance to villages, it also blocks their access to springs or water tanks.

But it cannot be that you don't see the iron gates along route 344 in the West Bank, blocking access to it from the Palestinian villages it passes by. It cannot be that you support preventing the access of thousands of farmers to their land and plantations, that you support the quarantine on Gaza which prevents the entry of medicine for hospitals, the disruption of electricity and water supply to 1.4 million human beings, closing their only outlet to the world for months.

Could it be that you do not know what is happening 15 minutes from your faculties and offices? Is it plausible that you support the system in which Hebrew soldiers, at checkpoints in the heart of the West Bank, are letting tens of thousands of people wait everyday for hours upon hours under the blazing sun, while selecting: residents of Nablus and Tul Karm are not allowed through, 35-year-olds and under - yallah, back to Jenin, residents of the Salem village are not even allowed to be here, a sick woman who skipped the line must learn a lesson and will be purposefully detained for hours. Machsom Watch's site is available for all; in it are countless such testimonies and worse, a day by day routine. But it cannot be that those who are appalled over every swastika painted on a Jewish grave in France and over every anti-Semitic headline in a Spanish local newspaper will not know how to reach this information, and will not be appalled and outraged.

As Jews we all enjoy the privilege Israel gives us, what makes us all collaborators. The question is what does every one of us do in an active and direct daily manner to minimize cooperation with a dispossessing, suppressing regime that never has its fill. Signing a petition and tutting will not do. Israel is a democracy for its Jews. We are not in danger of our lives, we will not be jailed in concentration camps, our livelihood will not be damaged and recreation in the countryside or abroad will not be denied to us. Therefore, the burden of collaboration and direct responsibility is immeasurably heavy.

>> Oh, and about John Bolton, your hero:

UNITED NATIONS (AFP) - US Ambassador [to the UN] John Bolton said there was no moral equivalence between the civilian casualties from the Israeli raids in Lebanon and those killed in Israel from "malicious terrorist acts" - as if Israelis only ever kill civilians by accident and Arab resistance only ever targets civilians deliberately.

1:07 PM  
Blogger José Camúñez said...

Wo ist Frau Bernstein?
Ich weiß nicht.

1:45 PM  

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