Wednesday, June 28, 2006

Die Welt will beschissen werden

Es steht nicht zu vermuten, dass radikale Islamisten im Zitatenschatz der westlichen Zivilisation wühlen, und schon gar nicht, wenn es sich um Äußerungen handelt, die einem Papst zugeschrieben werden. Gehen wir also davon aus, dass Hamas und Fatah in Unkenntnis des Urhebers nach dem Motto „Mundus vult decipi, ergo decipiatur“ verfahren: Die Welt will beschissen werden, also bescheißen wir sie! Denn es funktioniert. Es funktioniert immer.

Erinnern wir uns an den Eiertanz, der um die Charta der PLO aufgeführt wurde. Schon Yassir Arafat hatte es nicht übers Herz gebracht, die Zwei-Staaten-Lösung zu akzeptieren, trotzdem hielt sich das hartnäckige Gerücht, seit 1988 habe die PLO das Existenzrecht Israels anerkannt. Genauso verhielt es sich mit der Forderung nach der Änderung der PLO-Charta, die in mehreren Paragraphen zur Zerstörung Israels aufrief. Sie behauptet u.a., dass

a) die Gründung Israels "null und nichtig" ist (Artikel 19)
b) die Zerstörung Israels eine Notwendigkeit ist (Artikel 21)
c) der bewaffnete Kampf der einzige Weg zur Durchsetzung der politischen Ziele der Palästinenser ist (Artikel 9)
d) das jüdische Volk weder eine nationale Identität noch eine Verbindung zum Land Israel hat (Artikel 20)
e) die Existenz Israels eine Gefahr für alle Völker der Welt und vergleichbar mit dem Nazi-Regime ist (Artikel 22)


In Interviews mit westlichen Medien erklärte Arafat diese heiklen Aussagen für "veraltet", was den Freunden Palästinas, die dem unverbesserlichen Terroristen zeitlebens treudoof aus der Hand fraßen, schon als offizielle Abkehr von überkommenen Vernichtungsphantasien galt. Aber auch nach Etablierung der palästinensischen Autonomie wurden die doch reichlich beunruhigenden Passagen nicht aus der Charta gestrichen. Um den Wunschdenken Europas und der USA Rechnung zu tragen, ließ man sich aber auf ein groteskes Affentheater ein: Vor der „Großen Volksversammlung“ hielt US-Präsident Clinton eine Rede, die Delegierten spendeten Applaus, und dies nun sollte nun allen Ernstes als Bestätigung des in Oslo angekündigten Verzichts auf die umstrittenen Artikel gelten.

Aber alles, was in palästinensischen Schulbüchern zum Thema Israel steht, alles, was Arafat zu seinem Volk und in die Mikrophone arabischer Sender sprach, jede Landkarte, jedes offizielle Emblem führt das Gerede von einer Anerkennung Israels ad absurdum. Selbst der als besonders gemäßigt geltende Feisal Husseini träumte bis kurz vor seinem Tod noch von einem Palästina „vom Jordan bis zum Meer“.

Wer es nicht glauben mag:

Am 1. Januar 1994 sagt Arafat: „Die Wiedergewinnung unserer besetzten Territorien ist nur die erste Stufe auf dem Weg zur völligen Befreiung Palästinas.“

Am 27. Mai 1994 sagt Jibril Rajoub, oberster Polizeichef der palästinensischen Autonomiebehörde, an der Universität Bethlehem: „Für diejenigen, die gegen das Abkommen mit Israel sind, stehen die Türen zum verstärkten bewaffneten Kampf weit offen."

Am 21.7.1997 sagt Jabril Rajoub im Radiosender der Autonomiebehörde, Voice of Palestine: „Sobald der letzte Jude aus Hebron vertrieben wurde, wird es nicht mehr lange dauern, bis auch der letzte Jude aus Jerusalem und aus ganz Palästina heraus ist. Dann wird hier endlich Ruhe und Frieden herrschen."

Am 18. April 1998 sagt Arafat im ägyptischen ORBIT Satellitenfernsehen: „Das Oslo-Abkommen ist eine vorübergehende Waffenruhe, und ich begrüße jeden palästinensischen Selbstmordmärtyrer und hoffe, selbst einer zu werden."

„Oslo ist eher der Fuß in der Tür, weniger ein dauerhaftes Friedens-Abkommen, bis dass die Revolution ihre Ziele von 1965 erreicht hat." (Der Minister der Autonomiebehörde, Shahin, zitiert in der Zeitung Al-Ayam vom 30. Mai 2000)

Auch wenn man es im Westen nicht wahrhaben will: Hamas und Fatah sind sich im Kampf um „ganz Palästina“ einig. Nur über die Methoden nicht. Der PLO reichte laut „Stufenplan“ zunächst ein Staat in 100 Prozent der Westbank und des Gazastreifens plus Jerusalem, um sich irgendwann den Rest zu schnappen. Und die Hamas ist wenigstens ehrlich. Wenn Sheich Yassin von der Möglichkeit einer „50-jährigen Hudna“ sprach, bedeutete auch das im besten Fall nur, dass der Kampf eines Tages, unter für die Palästinenser günstigeren Bedingungen, fortgeführt würde.

Womit wir bei dem Dokument wären, von dem man im leichtgläubigen Westen nur allzu gern annimmt, dass es eine „historische Wende“ (Süddeutsche Zeitung) signalisiert. Das Papier ist noch nicht einmal im Wortlaut bekannt, aber das, was man allgemein annimmt, klingt nicht gerade ermutigend: Hamas und Fatah ziehen einen Schulterschluss dem drohenden Bürgerkrieg vor, und in der SZ sowie im Tagesspiegel wird das erleichtert aufgenommen. Obwohl alle bisherigen internationalen Pläne und Abkommen die Entwaffnung der Milizen vorsehen und Israel verständlicherweise nicht weniger akzeptieren wird, gedenken die zweieiigen Zwillinge des palästinensischen „Widerstands“ eine gemeinsame Truppe aufzustellen, die Terrorkampagne also endlich auch offiziell gemeinsam zu betreiben. Das muss sein angesichts der „israelischen Bedrohung“, meint Abdallah Frangi, seit Menschengedenken das ölige Sprachrohr der Palästinenser im deutschsprachigen Raum, im Interview mit SPIEGEL online – so als würde Palästina von Israel bedroht und nicht umgekehrt.

Es geht also um zweierlei: Das Dokument soll einerseits den Burgfrieden zwischen Hamas und Fatah sichern und andererseits den schönen Seelen in Europa Sand in die Augen streuen. Eines muss man den Palästinensern ja lassen: Wie man mit unseren Medien Schlitten fährt, das wissen sie besser als alle anderen, und es wird nur Stunden dauern, bis die ersten Rufe nach einer Wiederaufnahme der Finanzhilfen für die PA laut werden, darauf dürfen Haus und Hof gewettet werden.

Selbstredend wird in dem „Gefangenendokument“ auch das sogenannte Rückkehrrecht der Flüchtlinge und ihrer zahlreichen Nachkommen zementiert, um Israel mit vier Millionen Arabern zu überschwemmen und so in maximal fünf bis zehn Jahren die jüdische Bevölkerungsmehrheit zu brechen.

Womit wir sehen, dass die Palästinenser mitnichten für eine Zwei-Staaten-Lösung sind, wie man sich in Europa jetzt suggeriert, sondern sogar für drei Staaten: Nämlich die Palästinenserstaaten Jordanien, Palästina (Westbank und Gaza) und das zu arabisierende Israel. Und weil sie den Hals nie voll kriegen, wird es ihnen weiter so ergehen wie dem Fischer un sin Fru, die in einem armseligen Pisspott leben mussten. Womit der Bogen zum Beschiss wieder geschlagen wäre.

2 Comments:

Anonymous mitglied der franz-werfel-jugend said...

sehr richtiger artikel! unter folgendem link

http://der-fuchsbau.blogspot.com/2006/06/palstinenser-bieten-frieden-israel.html

wird ebenfalls darauf verwießen, dass westliche medien sich ihre fantasie-realität zusammenlügen, nur um israel dann letztlich als den aggresor hinstellen zu können.

12:20 AM  
Anonymous Leo said...

"Die Welt will beschissen werden"
- Sie ist es schon!

9:22 PM  

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